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Eine Kindheit mit Gurdjieff

Eine Kindheit mit Gurdjieff
von Fritz Peters
Innenwelt Verlag
2003-09

Taschenbuch
205 Seiten
ISBN: 393636009X




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Gurdjieff - irgendwie hautnah
Dieses Buch ist wundervoll! F. Peters beschreibt seine Kindheitseindrücke von Gurdjieff und dem Leben in der Prieuré, und Gurdjieff und sein Anliegen werden dabei irgendwie noch mal anders deutlich und verständlich.
Für jemanden, der/die schon Beelzebub, Bennett, Ouspensky und so weiter gelesen hat, ist das eine wirklich schöne Lektüre. Und vielleicht ist es sogar als Erstlektüre gut. In jedem Fall fesselt das Buch den Leser, und ... In aller Nüchternheit, es ist wirklich toll!


Die sehr menschlichen Seiten eines spirituellen Lehrers
Gurdjeff, der rätselhafteste aller Mystiker, erschien - wie schon oft bemerkt wurde - jedem, der ihm begegnete, anders. Er war eine Art unbarmherziger Spiegel, welcher der Person genau denjenigen Aspekt ihrer selbst zeigte, der im jeweiligen Augenblick einer Entwicklung bedürftig war. Gurdjieff lehrte einfach durch seine ungeheuerlich intensive Präsenz. Schon dem jungen Fritz Peters fiel auf, «dass er [allein] dadurch, wie er lebte, sein Wissen überall verstreute, ohne darauf zu achten, ob es angenommen und verwendet wurde».

Nun unterscheidet sich Peters' überaus spannend und anschaulich geschriebener Bericht von anderen persönlichen Erinnerungen an diesen Mystiker - deren es viele gibt - in zweierlei Hinsicht: Zum einen sieht der heranwachsende Fritz in Gurdjieff weniger den Lehrer, sondern eher einen Ersatz-Vater, der ihn - mit seinen eigenen originellen Mitteln - zu erziehen sucht, bis sich Fritz nach einer quasi-pubertären Phase von ihm entschieden befreit. Diese generationenbedingte Distanz öffnet dem Ziehsohn (und dem Leser) gleichsam eine objektive Perspektive, über die ein echter Gurdjeff-Schüler nicht verfügen könnte. Das zweite, was dieses Buch so anziehend macht, ist das fast gänzliche Fehlen theoretisch-abstrakter Auslassungen über Enneagramm, dreihirnige Wesen etc. Wie erfrischend!

Stattdessen lernen wir Gurdjeff von der menschlich warmen Seite und als «Poeten des jeweiligen Augenblicks» kennen, der jede sich bietende Situation - und seien es auch die chronischen Blähungen seiner Mitarbeiterin - dazu benutzt, seine legendären Schocks einzusetzen, die das Bewusstsein der Anwesenden unweigerlich verändern. In Gurdjieffs Verhalten, das auf den ersten Blick oft widersinnig und absurd erscheint, kann unversehens eine tiefe gewissermaßen objektive und unsentimentale Menschlichkeit zutage treten (im besagten Fall führt es dazu, dass die in der Prieuré wenig beliebte Frau echte Sympathie erfährt).

Freilich lässt Peters auch die bizarren Seiten dieses Mystikers durchscheinen, etwa wenn er - vertrauensvoll mit der morgendlichen Säuberung von dessen Zimmer beauftragt - den Eindruck hat, dass «Herr Gurdjieff körperlich ... wie ein Tier war» und «er [Peters] sich außerstande sieht, die Gerüchte [über seine sexuellen Ausschweifungen] zu widerlegen.» Oder eine junge ahnungslose Russin dient ihm als «menschliches Versuchskarnickel» (dies seine eigenen Worte!), um die hypnotische Wirkung von Musik zu demonstrieren. - Ein Mensch voll aufregender Widersprüche! Einerseits bezeugt er übermenschliche Präsenz bei der Rettung von Fritzens verbrühtem Arm, dann wiederum strahlt von ihm gegen Ende eine unverständliche Kälte aus, als er seinen Ziehsohn grundlos (auch im spirituellen Sinne unverständlich) von der Weihnachtsfeier aussperrt.

Nicht immer war Gurdijeff der große Supermann, Peters berichtet auch von ganz banalen Fehlschlägen, etwa bei der missglückten Reintegration eines russischen Diebs, der zeitweise in die Prieuré aufgenommen wurde. Gegen Ende seines Buchs häufen sich die Brüche und blinden Stellen. Der kundige Leser spürt, wie hinter den Kulissen unweigerlich der Niedergang der Prieuré vonstatten geht. - Am Ende zieht Peters ein ernüchterndes Fazit: «Ich wurde [durch die Zeit mit Gurdjieff] weder ein besonders mildtätiger, weiser oder auch nur kompetenter Mensch, noch wurde ich zu einem glücklicheren, friedlicheren oder weniger neurotischen Menschen.» (Freilich, auf dem spirituellen Weg gibt es nichts zu erreichen.) Was ihm aber haften blieb, war die Erkenntnis: «Was auch immer die Existenz sonst noch ist oder zu sein scheint, sie ist ein Geschenk. Und wenn man das Geschenk auspackt ... ist es ja vielleicht ein Wunder »
(Autor/in)


Absolut verschlingenswert
Dies Buch war mein Erstes über Gurdjieff, und vielleicht auch ein sehr guter Einstieg in die Materie "Gurdjieff". Wie ich inzwischen weiß, gibt es sehr viele Fakten zu all dem Wissen das Gurdjieff hatte und das auch heute noch sehr lebendig ist (z.B. das Enneagramm, in das ich mich momentan vertiefe), aber dieses Buch ist so warmherzig, intim und unmittelbar in allen erlebten Details, das man richtig mitfiebert mit dem kleinen Fritz und den Bürden, die ihm Gurdieff scheinbar auflastet. Man erhält einen Einblick in die konkrete Lebens-/Arbeitsweise Gurdjieffs, die sich einem mit jeder Seite mehr und mehr erschließt. Ein scheinbar widersprüchlicher Mensch, dieser Gurdjieff. Doch alles was er tut und sagt hat seinen Grund und ist nicht immer gleich mit unserer konditionierten Logik zu erfassen; so wie es auch für den Fritz oft unlogisch und schikanös erschien, warum er es genau so machen sollte und nicht anders. Mit den Jahren sind beide sehr eng geworden und haben ein durchaus herzliches Verhältnis miteinander gehabt, wobei man "herzlich" hier auf Gurdjieff'sche Art verstehen muß.
Seine Methode bestand darin, die Menschen an ihre eigenen Grenzen zu führen, damit sie sich an dieser Stelle der Grenze bewusst werden und darüber "hinausgehen" und Freiheit erlangen. Das ist die spirituelle/menschliche Wachstumsmöglichkeit, die Herrn Gurdjieff immer am Herzen lag und für die er ausschließlich gelebt hat.
Ein erleuchteter oder befreiter Mensch, der er nunmal war, sieht in seinem Leben keine andere Aufgabe mehr, als dem Menschen zu dienen, indem er bestrebt ist, Unwissenheit zu "verbrennen". Gurdjieff tat das auf seine ganz spezielle Art, die man heute nirgends mehr antrifft. Schade eigentlich, wobei ich mir nicht sicher wäre, ob ein lebender Gurdjieff in die heutige Zeit passen würde, die ja von "political and social correctness" gekennzeichnet ist. Aber alles kommt zur richtigen Zeit.
Und gerade aus heutiger Sicht ist es umso schöner, wenn man dieses "wilde Leben" mit und um Gurdjieff herum verfolgen darf in diesem kleinen Büchlein, das mir so sehr ans Herz gewachsen ist. (Autor/in)


Eine ehrliche Erzählung
Wieviele Bücher hat jeder von uns vielleicht schon gelesen, wo vieles versprochen wird über die menschliche Entwicklung aber man skeptisch hinschaut ? Oder man bildet sich ein, man schafft es sofort ? Dieses Buch ist anders. Es beschreibt die Erfahrung eines 11 jährigen Jungen , der eine Weile bei Gurdjieff gelebt hat ,und seine Shüler und seine Lehre auf eine total ehrliche Art und Weise beschreibt. Herrlich erfrischend , spannend,und sehr leicht zu lesen. (Autor/in)


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