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Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker

Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker
von Heinz von Foerster und Bernhard Pörksen
Carl-Auer-Systeme Verlag
2006

Taschenbuch
166 Seiten
ISBN: 3896702149




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Ein spannender Dialog über Wahrheit, Realität, Erkenntnis...
Eigentlich sollte es ein Interwiev aus Anlaß eines Weltkongresses für soziale Psychatrie für das Hamburger Sonntagsblatt werden. Was als Interview begann endete als spannendes Zwiegespräch zwischen dem Physiker und Konstruktivisten Heinz von Foerster und dem Biologen und Journalisten Bernhard Pörksen. Diese Entstehungsgeschichte ist symptomatisch für Heinz von Foerster: er beginnt zu denken ohne von Vornherein auf das Ergebnis fixiert zu sein. Manchmal hört er auch mittendrin auf und überläßt es dem Leser, diese Gedanken fortzuführen. Es begegnet hier einem ein Mann, der Spaß hat am Denken. Er fordert auch dazu auf, es ihm gleich zu tun und auch noch Freude daran zu haben. Die Ergebnisse des Denkens sind in keiner Weise vorgegeben, man kann sich also selbst sein Ergebnis "zurechtdenken". Ist es wirklich das, was wir meinen zu sehen, zu riechen und zu schmecken, was "da draußen" ist? Gibt es die vermeintliche Realität überhaupt, wenn es möglich ist, den Geschmack von Essig, zu erzeugen, indem die Geschmacksnerven mit Elektrizität gereizt werden oder wenn es möglich ist, durch die Reizung des Sehnervs mit Essigsäure einen farbigen Lichtklecks hervorzurufen? Ein Buch für alle, die gerne (eigenständig) denken und Spaß daran haben. Es sollte Pflichtlektüre für Lehrer sein, die erfahren möchten, warum Wissen sich nicht vermitteln läßt. Es ist kein Buch für jemanden, der auf der Suche nach Wahrheit ist, denn die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.


Der Autor
tappt zwar in die von ihm selber gebauten Fallen, aber die Fallen die er sich am Anfang des Textes stellt, sind darum umso genialer.
Sein Gesprächpartner ist ein intellektueller Fremdwortfetischist, aber er stellt die Fragen, die uns auf der Zunge brennen, etwa wie: Wie kann man ohne letzte Erkenntis leben?
Ist eine Philosophie, die ohne danach zu fragen nicht unbefriedigend?
Naja, so stellt er sie nicht, halt verquerer. (Autor/in)


Immer wieder...
...habe ich dieses Buch gelesen...und immer neue Facetten entdeckt.

Von Foerster ist ein tiefer und liebenswürdiger Denker und immer wieder verblüffend konsequent in seiner Ablehung der Ontologie, des Verweises auf eine objektive Welt.

Die Welt wird "erfunden", "konstruiert" aus dem, was unsere Sinne uns mitteilen. Das Vorhandensein irgendwelcher eigenschaftsbehafteten Gegenstände kann nicht vorausgesetzt und mit den Sinnesempfindungen verglichen werden, weil dieses erst aus letzteren geschlossen wird. Die Vielfalt der Welt ist als Eigenschaft der Sinne und der Verarbeitung der Sinneseindrücke bereits "eingebaut" und lässt sich mit den "tatsächlichen" Gegebenheiten nicht ins Verhältnis setzen.

Eine klassische konstruktivistische Argumentation, obwohl sich von Foerster dieses Etikett nicht umgehängt hat und auch eine Systematisierung seiner Philosophie vermieden hat.

"Realität" wird als Referenzsystem für diese Konstruktion nicht vorgefunden, sondern erst "gesetzt".

Diese Welt ist jedoch nicht rein subjektivistisch oder solipsistisch (Solipsimsus = "nur ich existiere, alles andere ist Einbildung"), sondern stellt ein beliebig flexibles Bezugssystem für ein soziales Miteinander dar, das man in eigener Verantwortung ganz frei entwirft. Indem Foerster keine Referenzen auf ein "so ist es nun mal" duldet, übergibt er dem Individuum die volle Verantwortung für die Welt, in der es lebt, ähnlich wie im Existenzialismus aber mit wesentlich mehr Humor und ohne den moralischen Zeigefinger. (Autor/in)


"Er wollte wissen, was ich denke..."
Wer einen lebensnahen, praxisorientierten Einstieg in die Kybernetik und den Konstruktivismus sucht, kann kein besseres Buch finden als dieses. Heinz von Foerster hat über beide Gebiete nicht nur geredet, er hat ihre Ideen in jeder Sekunde vorgelebt. Bernhard Pörksen ist es mit seinen Fragen gelungen, das unübersehbar zwischen zwei Buchdeckel zu bringen.

Heinz von Foerster war für die Art, wie Bernhard Pörksen mit ihm über sein Denken gesprochen hat, sehr dankbar. Ich erinnere noch gut, was er mir damals unmittelbar nach dieser Arbeit darüber erzählte: "Der Bernhard Pörksen war ein besonderer Interviewer. Er wollte wissen, was ich denke, nicht mir erzählen, was er denkt. So hatte ich noch einmal eine großartige Gelegenheit, etwas über meine Ideen, Erinnerungen und Anliegen zu sagen." (Autor/in)


Wahrnehmung und Wahrheit
Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Sind unsere Weltbilder lediglich Erfindungen, oder entspricht ihnen eine äussere Realität? Ist Wahrheitserkenntnis möglich?

Es sind diese Fragen, die der Physiker und Philosoph Heinz von Foerster und der Journalist Bernhard Pörksen in ihren Gesprächen debattieren. Gemeinsam erkunden sie die Grenzen unseres Erkenntnisvermögens, diskutieren die scheinbare Objektivität unserer Sinneswahrnehmung, die Folgen des Wahrheitsterrorismus und den Zusammenhang von Erkenntnis und Ethik, Sicht und Einsicht.

Diese Depatte ist in einer sehr angenehmen Art und Weise geschrieben. Es ist spannend am Gespräch dieser zwei Herren teilzuhaben. Teilweise hatte ich das Gefühl es nicht zu lesen sondern den beiden Herren wirklich zu zuhören.


Für Denker in höheren Ordnungen
Das Buch dürfte all denjenigen gefallen, die sich mit dem Weisheitsspruch "Ich weiß, daß ich nichts weiß" angefreundet haben. Den weniger Bescheidenen droht Enttäuschung. V. Förster versucht im Gespräch darauf aufmerksam zu machen, daß es eine objektive Wirklichkeit, im Sinne einer eindeutig und kausal erklärbaren Welt, nicht gibt, sondern, daß sich jeder Mensch seine Wirklichkeit selber erschafft. Die sogenannte Wirklichkeit beruhe vielmehr auf Glaubenssätzen. Diese, schwer zu erlernende, Betrachtungsweise, übt(e) starken Einfluß aus auf: Philosophie, Psychologie, Politik, Wissenschaft, etc. - Bereiche, auf die im Buch, vielleicht manchmal etwas zu kurz nur, eingegangen wird.
Aber der Wert des Buches liegt für mich vor allem darin, wie H. v. Förster mit der ihm eigenen Art, den (auf mich zuweilen etwas schlaumeierlich wirkenden) Interviewer und den Leser dazu einlädt, seine bisherige Betrachtungsweise der erlebten Welt zu hinterfragen und darüber hinaus aufzeigt, wie (z.B.) menschliche Probleme aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet werden können.


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