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Der Zauberberg. Roman.

Der Zauberberg. Roman.
von Thomas Mann
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH
2000-10-01

Taschenbuch
1008 Seiten
ISBN: 3596294339




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Eines DER Bücher des 20. Jh.
Wer würde es sich anmaßen, einen solchen Klassiker zu kritisieren? Gesagt sei nur eins: Ohne die Lektüre dieses Buches fehlt jedem Leser eine der essentiellsten literarischen Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Großartig!!!


Ein Zeitroman
Eine Kurzrezension zu Thomas Manns "Zauberberg" zu schreiben, ist in jeder Hinsicht ein heikles Unterfangen. Denn wie einen 1000-Seiten-Roman, an dem der Autor ganze 12 Jahre (!) geschrieben hat, nämlich von 1912 bis 1924, in wenigen Zeilen zusammenfassen?

Das Hauptaugenmerk dieser Rezension werde ich aus diesem Grund auf ein Phänomen richten, das Leser mit Angst vor umfangreichen Büchern dazu animieren möge, sich der Lektüre dieses literarisch so wichtigen Buches zu widmen. Es sei gleich gesagt, daß mit der folgenden Umschreibung des Zeitaspektes nur ein winziger Teil verraten sei; die Komposition und die Architektur dieses Romans machen den Text zu einem dialogischen Meisterwerk.

"Der Zauberberg", inzwischen in fast jedem seriösen Literaturkanon zu finden, wird in mehrfacher Hinsicht ein Zeitroman genannt. Zum einen, weil der Held, Hans Castorp aus Hamburg, auf jenem Zauberberg mit den Tücken der Zeit konfrontiert wird. Insgesamt sieben Jahre dauert seine "Kur" dort. - Die ersten Monate vergehen recht langsam, jeder Tag ist gewichtig und bedeutungsvoll. Doch nach einem Jahr kann Castorp kaum fassen, wie schnell die letzten 365 Tage verstrichen sind. Die Zeit vergeht ihm immer schneller, und nur einzelne Ereignisse werden ihm lang. Hastdusnichtgesehen sind die sieben Jahre plötzlich vorbei. Doch nicht nur, weil das Phänomen der "Zeitverflugsgeschwindigkeit" eines der großen Themen dieses Textes ist, wird er ein Zeitroman genannt. Hinzu kommt, daß die Form des Textes mit seinem Inhalt harmoniert derart, daß auch dem Leser die Zeit nach und nach schneller vergeht. Der Erzähler weiß darum; er kommuniziert gar mit dem Leser darüber. Mehr noch: Die Darstellung der Zeiträume wird nach und nach kleiner, da sowohl Castorp als auch dem Leser die Zeit schneller vergeht, während die Kapitel immer länger und länger werden. Diese - ich möchte fast sagen: magische Komposition macht den Reiz des Lesens aus, ist aber, wie bereits angedeutet, eher Träger der großen Inhalte, die an dieser Stelle noch nocht verraten seien. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Geniale Entspanntheit
Hat man sich einmal an dieses Buch getraut, eröffnet sich einem eine neue Welt. Der Zauberberg handelt von dem jungen Hans Castorp, der kurz seinen Cousine in einem (Davos) Luftkurort besuchen möchte. Der Kurze Aufenthalt wird länger und länger und mit der Länge des Aufenhalts verschwindet die Zeit und das Alltägliche Leben. Hans Castorp endeckt sich neu, trifft geistreiche Diskussionenspartner in den Schweizer Höhen und der Leser entschwindet mit Ihm in einen ruhigen Zustand. Keine Angst vor dem Namen Zauberberg. Das Buch ist ein langer Genuß. (Autor/in)


Der Zauberberg - mit menschlichen Schwächen
Thomas Mann ist kein Autor, der mit Humor aufwartet. Tonio Kröger, Die Buddenbrooks, Tod in Venedig. Hier sind die Menschen sehr nüchtern, geradlinig, ohne eigentliche Schwächen, wie man sie bei realen Menschen antrifft. Auch die Fehler gestaltet Thomas Mann als sterile Abwege, psychiatrisch isolierte Persönlichkeitsschwächen.

Sehr deutlich kommt das in Tonio Kröger zur Geltung. Das sind keine Menschen eigentlich, die hier agieren, sondern Träger von Tugenden, Zweifeln, Irrwegen. Dennoch, es entsteht der Eindruck, gerade deshalb, hat der Autor damit ein vorzügliches Lehrstück über das Wandeln in Zwischenwelten geschaffen. Auch heute durchaus aktuell, da man täglich über Integration und Multikultur spricht. Tonio Kröger, der Sohn von Konsul Kröger und einer italienischen Mutter, muss in die Irre gehen: Er wird Künstler ohne Überzeugung.

Auch die Buddenbrooks kommen ohne echte Originale, also Menschen mit Schrullen, aus.
Dito Tod in Venedig. Über weitere Werke weiß ich zu wenig, deshalb führe ich dies nicht fort.

Nun zum Zauberberg. Was Thomas Mann wohl hier geritten hat, möchte man fragen.

Die Idee ist gut, und auch der Lauf der Geschichte ist unterhaltend, die Handlung interessant. Wie ich las, langweilten sich viele bei den philosophischen Gesprächen. Ich tat das nicht.

Was mir die Beurteilung schwer macht, ist das Element des Zauberbergs, das mich stört: Es sind die Figuren. Offensichtlich hat Thomas Mann sich entschlossen, endlich die Schrullen des Menschen zu berücksichtigen. Hätte er sich doch gleich eine richtige Komödie vorgenommen ...!
Die Charaktere des Zauberbergs sollen als bunte Tupfen menschlicher Unzulänglichkeit eine hoffnungslose Gesellschaft garnieren. Ein Kontrast zur Tragik des Unausweichlichen, der Tod durch die nicht therapierbare Tuberkulose, schien Thomas Mann vorzuschweben.
Was kam dabei heraus? Ein Panoptikum von Fratzen, von überzogenen und zum Teil albernen Typen. Und nicht nur das.

Beginnen wir gleich mit Hans Castorp. Der unbedarfte junge Mann ist Praktiker, nicht Denker. Er ist angehender Ingenieur. Schüchtern, abwartend, staunend. Im Verlauf seines Aufenthaltes im Sanatorium gerät er zunehmend in die Rolle des anspruchsvollen Zuhörers und auch Gesprächspartners in philosophischen Problemen, sowie heiklen Fragen in Sachen Liebe. Zudem beginnt er mit einem privaten Medizinstudium. Damit ist diese Figur hoffnungslos überfordert, oder besser formuliert, überfrachtet, denn der Autor erzwingt mit seiner schöpferischen Freiheit das Gelingen, obwohl Castorp einfach nicht gescheit genug angelegt ist.

Führen wir nun den Kreis von Personen vor, dessen Nabe Hans Castorp quasi ist.

Sein Cousin Joachim Ziemßen gehört zu den plausiblen Figuren. Doch er spielt ja nur eine wenn auch symbolische Nebenrolle, blass, uninteressant.

Der Leiter des Sanatoriums ist Hofrat Behrens, von Hans Castorp Rhadamant genannt. Rhadamanthys war ein sagenhafter König auf Kreta, der nach seinem Tode in der Unterwelt weiter wirkte als Gesetzgeber und Richter. Behrens regiert also die Toten, oder genauer, die Todgeweihten. Dabei stürmt er mit hervorquellenden Augen durch die Gänge und Behandlungsräume und belästigt jeden mit seiner cholerischen Weltuntergangsstimmungen. Diese speist sich aus einem Gemenge von fatalistischer ärztlicher Einsicht und kommerziellem Denken. Seine Aussage im Prinzip: Ihr habt den Tod im Nacken, also bleibt hier und flieht nicht vor dem Unausweichlichen.
Sein Adlatus, Dr. Krokowski, hält Vorträge über Liebe und Krankheit und kann seine gelben Stiefel blitzschnell mit nur einer Hand schnüren.
Weshalb wird die Bergklinik von solch schrillen Charakteren geleitet? Das erinnert an Slapstik.

Irgendwann geraten Hans und Behrens in tiefschürfende Gespräche über Medizin, Zigarren und die Haut der Frau Chauchat, welche Behrens wohl in einer zweideutigen Situation gemalt hatte.
Ja, Frau Chauchat, die laszive Exotin, die Hans Castorp durch ihre unterschwellige Verführung fesselt. Was will die Frau mit diesem Kind?

Settembrini ist wichtig. Der laute quirlige Italiener mit dem schmalen Geldbeutel ist angetreten, die Welt aufzuklären. Lustig wirkt er mit seinen Aufrufen und Postulaten für ein vernunftgeleitetes Leben. Was will der Weltverbesserer mit dem naiven Castorp? Er scheint ihn als eine fiktiven Figur bei seinen Selbstgesprächen zu benutzen. Ein immerhin plausibles Motiv für einen selbstverliebten selbsternannten Gelehrten. Immerhin.

Hans gerät mitten in den Streit zwischen Settembrini und dem Scholastiker und Jesuiten Naphta, welcher für Naphta tödlich endet, durch Selbstmord während eines angesetzten Duells.
Castorps Anwesenheit in dieser ernsten Diskussionsatmosphäre zwischen den Kuturwelten wirkt läppisch, konstruiert. Wie das Söhnchen einer mächtigen Person, die ohne Berechtigung überall Eingang findet.

Ferge und Wehsal, welche sich an Settembrini und Castorp hängen, sind unterwürfige Deppen, zur Dekoration.
Frau Stöhr, welche immer alle Begriffe verwechselt, stellt eine nette Ausnahme dar: unterhaltsam und glaubhaft.

Dann ist da der Kaufmann Mynheer Peeperkorn, Madame Chauchats neuer Begleiter bei ihrer Rückkehr ins Sanatorium, ein kompletter Schwachkopf. Pathetisch versucht er in sinnleeren Reden, eine Art Herrschaft über die Patienten zu gewinnen. Man hätte Frau Chauchat eine andere Wahl zugetraut. Alles nur fürs Geld? Allzu billig oder kitschig.

Wie bereits erwähnt, ist es um so erstaunlicher, dass Thomas Mann mit diesen nicht günstig gezeichneten Figuren eine Stimmung, ja Spannung, über all die Seiten aufrecht zu erhalten vermag. Ich habe mich oft geärgert, jedoch nie gelangweilt. Gesamtbewertung somit schwierig ...






(Autor/in)


Und wenn sie nicht gestorben ist, so liest sie noch heute ...
Normalerweise lese ich überall und ständig. Beim Zauberberg beschränkte sich die Lektüre auf 25 Minuten Bahnfahrt morgens und 25 Minuten Bahnfahrt nachmittags. Schwer genug, meine Gedanken innerhalb dieser 25 Minuten nicht abschweifen zu lassen. -
Die gesamte Handlung ließe sich auf schmale 100 Seiten reduzieren. Der Rest besteht aus endlosen Debatten. Und einer voneinander unabhängigen und sinnlosen Aneinanderreihung von Patienten. (Wahrscheinlich pro Schreibjahr ein Patient. ;-)) Für mich gab es auf tausend Seiten ungefähr vier bis fünf fesselnde Stellen, an denen ich auch nach der Bahnfahrt weiterlas: Die letzten waren Ellen Brandts Geisterbeschwörung und später das Duell. Gelohnt hat sich das sofortige Weiterlesen nicht, denn direkt nach dem letzten Geister-Haucher, ging das große (und langweilige) Debattieren weiter. (Gewundert hätte es mich allerdings schon, wenn Manns großes Werk Zauberberg a la Stephen Kings Carrie zu Ende gegangen wäre. :-)) - Sogar die letzten sechs Seiten habe ich erst nach einem erneuten Zauberberg-freien Wochenende morgens in der Bahn gelesen. - Und die Moral von der Quäl-Geschicht? ---> Keine Handlung, kein Zusammenhang, kein Clou. Nur sieben Jahre aufgelisteter Müßiggang oben und dann vier Seiten Krieg unten. - Dieses Buch macht keinen Sinn! :-)


(Der zweite Stern für die manchmal doch recht interessante Erzählweise, den Leser miteinzubeziehen, und für einige einleuchtende Gedanken (z.B. über Zeit).) (Autor/in)


Die Zeit schreitet fort.
Nun lese ich den Zauberberg zum dritten Mal, wobei die letzte Lektüre, in Gottes Namen, mehr als sieben Jahre zurück liegt. Ich komme zu dem Schluss, dass ich mein Leseverhalten dahin gehend ändern sollte, ab jetzt mindestens einmal pro Jahr dieses Buch zu lesen.
Zum einen erschließen sich mit fortschreitendem Alter immer neue Dimensionen des Textverständnisses. Der Bogen reicht dabei von der Genialität des Gesamtkonzepts, der komplexen Zeitthematik, dem besseren Kennenlernen der (schönen) Charaktere bis hin zu unzähligen wohldurchdachten, oft unauffälligen Details. Ohne an dieser Stelle näher darauf einzugehen, was den Rahmen der Rezension sprengen würde, komme ich zum andern: Es ist mir unbegreiflich, dass ich einen Satz wie "Hier konnte Hans Castorp nicht umhin, sich aufs Knie zu schlagen und auszurufen, so etwas habe er denn doch in seinem Leben noch nicht gehört" wieder vergessen konnte. Und das ist nur einer von tausend Sätzen, die es wert wären, auswendig gelernt und in angemesser Abwandlung ins Alltagsleben eingeflochten zu werden. Fangen wir an! (Autor/in)


Tolle Sprache
Das Buch "Der Zauberberg" vonThomas Mann reussiert durch die ausgefeilte deutsche Sprache und den großen Wortschatz den Th. Mann hat.Die SÄtze sind elegant geschrieben. Das Buch ist für ältere Menschen hervorragend geeignet, für junge, schnelllebige Menschen sicherlich viel zu lange und umständlich.
Zudem gibt es Einblick in die Welt der Lungenkranken um die Wende vom 19.zum 20. Jahrhundert.
(Autor/in)


Warum bleibt in der Produktbeschreibung die Kürzung des Romantextes unerwähnt
Ich werde mich hüten, den Roman "Der Zauberberg" rezensieren zu wollen. Ebenso wenig werde ich mich zur Lesung durch Gert Westphal äußern, denn auch dabei käme nichts anderes zustande als der Versuch einer Hymne auf einen grandiosen Sprecher. Mir geht es nur um ein - allerdings veritables - Ärgernis: verlesen wird allen Ernstes eine gegenüber dem geschriebenen Text gekürzte (!) Fassung. Das nenne ich eine illiterate Anmaßung, und einen maßvolleren Ausdruck habe ich nicht zur Hand.
Ein Ärgernis ist daneben die Tatsache, daß sämtliche Anbieter, nicht nur Amazon, diesen doch wesentlichen Umstand, der - in dürren juristischen Termini - zu den Eigenschaften der zu liefernden Ware gehört, dezent unerwähnt lassen. Ich vermute dahinter nicht etwa arglistige Absicht, eher vermute ich Unwissenheit und Desinteresse. Das mag insoweit entschuldbar sein, als auch der Verlag oder der Herausgeber (wer wie firmiert und fungiert, erfährt man nicht, es kommen laut Beschriftung in Betracht der NDR, die Deutsche Grammophon und eine gewisse Universal Music GmbH mit Sitz in Berlin) selbst sich hüten, auch nur mit einem klein gedruckten Hinweis die künstlerisch nicht begründbare Eigenmächtigkeit zu erwähnen, sieht man einmal ab von der Tatsache, daß ganze Abschnitte, die der Autor immerhin mit jeweils einer eigenen Überschrift versehen hatte und die die Hörbuchfassung unterschlägt, im Beiheftchen in eckigen Klammern Erwähnung finden. Illiterat ist dieses Vorgehen bspw. deshalb, weil der "Strandspaziergang" zu Beginn des siebten Kapitels komplett fehlt und deshalb auf die Schilderung der "schwärmerischen Honneurs" für den verstorbenen Soldaten Ziemßen nahtlos und insoweit reichlich unvermittelt und damit die musikalische Komposition des Romans beschädigend die Schilderung des Mynheer Peeperkorn folgt. Gestrichen ist der ganze "Herr Albin", genauso erging es dem "Großen Stumpfsinn", und ich weiß nicht, an wievielen Stellen noch unbefugte Eingriffe vorgenommen wurden. Erwähnt sei nur das diagnostische Verhör, dem sich Ziemßen unterziehen muß ("Sagen Sie mal, geehrtes Menschenkind haben Sie sich schon mal verschluckt?") oder auch die Schilderung von Naphtas Abkunft, komplett der Schneiderschere zum Opfer gefallen ist das zweite Kapitel, das immerhin einiges über die Herkunft und die häuslichen Bedingungen des Hans Castorp offenbart, und auch der giftige Naphta am Totenbett von Joachim Ziemßen muß sich Abkürzungen gefallen lassen, deren Sinn im Dunkeln bleibt. Bei dieser Sachlage fragt man sich fast, ob die redaktionelle Bearbeitung des großen Vorhabens womöglich in den Händen von Frau Stöhr gelegen hat.
Kurzum: das Werk zweier großer Männer, des Dichters Thomas Mann und seines kongenialen Sprechers Gert Westphal, wird in kupierter Form gereicht. Eine Frechheit ist das gegenüber dem Dichter, ein Jammer ist es angesichts der grandiosen sprecherischen Befähigung des großen Gert Westphal. Eine Impertinenz ist es schließlich auch gegenüber dem Leser und Hörer, der auf diesem Wege kurzerhand entmündigt (und als Käufer übrigens diskret hinters Licht geführt) wird.
(Autor/in)


Eines DER Bücher des 20. Jahrhunderts
Wer würde es sich anmaßen, einen solchen Klassiker zu kritisieren? Gesagt sei nur eins: Ohne die Lektüre dieses Buches fehlt jedem Leser eine der essentiellsten literarischen Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Großartig!!!


Ein Muß!
Ich möchte noch ein paar Gründe hinzufügen, warum man dieses Buch auf jeden Fall lesen sollte:

* Es malt ein eindrucksvolles Bild der Zeit vor dem 1. Weltkrieg und lehrt, wie es zu diesem kommen konnte.

* Man schließt die Figuren ins Herz. Der naive Hans Castorp, sein korrekter Vetter, der leutselige Chefarzt Behrens, der pädagogische Drehorgelmann Settembrini, die menschliche Frau Chauchat - alle spielen ihre Rolle brav und bleiben dabei lebendige Menschen.

* Das Buch ist saukomisch. Auch ich mußte am Anfang ein bißchen kämpfen, aber es wird immer leichter. Und schließlich kriegt man gar nicht mehr genug davon.


Ein Buch auch über die Zeit - für das man viel Zeit braucht
Thomas Mann - Zauberberg

"Die Liebe steht dem Tode entgegen, nur sie, nicht die Vernunft, ist stärker als er."

In ewig langen Sätzen, deren Nebensätze immer wieder die Brücke des Hauptsatzes überschwemmen, so daß es oft verwirrend geworden ist, wenn man endlich am anderen Ende anlangt, dabei aber den Anfang schon wieder halb vergessen hat, in Sätzen ähnlicher Art wie dieser einer ist, kreiert Mann sukzessive das in sich abgeschlossene Universum des "Berghof"-Sanatoriums. Wie ein sich langsam abwickelnder roter Faden oder vielleicht eher wie aus der Sicht einer versteckten Kamera erschließt sich die phlegmatische, scheinbar aus der Welt geworfene Gesellschaft der PatientInnen, zusammengewürfelt aus Nationen aller Welt, unterschiedlichsten Alters-, Berufs- und Sozialschichten, durch die Erlebnisse des gerade sein Ingenieursexamen hinter sich gebracht habenden Hans Castorps.

Dieser sieht sich mit einer ihm anfangs noch fremden und suspekten, aber ihn gleichzeitig magisch anziehenden Eigenheit konfrontiert, als er seinen Cousin Joachim Ziemßen besucht. Von Chefarzt Dr. Behrens (dessen Enkel sich später unter dem Pseudonym Brinkmann in den Niederungen der Schwarzwaldklinik prostituiert haben soll) wird ihm kurz nach der Ankunft eine leichte Anämie diagnostiziert und ein "halbes Jährchen" Aufenthalt verordnet. Aus dem halben Jahr werden sieben Jahre, von denen Mann mindestens fünf in allen Einzelheiten vom In-der-Nase-popeln bis zum Schnarchrhythmus des Mittagsschlafs zu schildern scheint... die Erzählung hat ihre klaren Längen, wobei mir diese zumindest teilweise intentioniert erscheinen - in Anbetracht der Grundidee des Romans, der "die reine Zeit selbst" zum Gegenstand hat. Die Struktur des Buchs zeigt aus sich selbst heraus schon die Relativität von Zeit - wie sie manchmal zäh schleppend vergeht, manchmal unter den Fingern davonschlüpft wie ein zappelnder Fisch. Auf die Zeit als menschlich-subjektive Interpretation, die vermeintlich durch die Messung der Überbrückung von Raum objektiviert wird, als etwas ganz und gar situationsbedingtes also geht Mann an mehreren Stellen auch direkt ein - entweder durch ausschweifende Spekulationen Castorps oder durch dessen Zeit-Erleben. Zu beschreiben, was sich im Laufe des Treibens, den Gezeiten des Erzählfluß alles ereignet, würde den Rahmen dieser kurzen Zusammenfassung sprengen. Auffallend sind aber die Ereignisse auf den ca. letzten hundert Seiten des Buchs - Affäre, Freundschaft, spiritistische Geisterbeschwörung, die zunehmende cholerische Aggressivität in der Gemeinschaft, schließlich das Duell zwischen dem national-liberalen Humanisten Settembrini und dem reaktionären, religiösen und kommunistischen Naphta, und als explodierendes Finale Hans Castorp im Schlachtenwahn zwischen im Kot liegenden Leichen und detonierenden Granaten.

Der Stil von Mann erscheint mir sehr schwergängig, wie sehr stark gesüßtes, orientalisches Gebäck - sehr lecker, aber schnell füllend und dann ein Krampf, wenn man sich mehr davon reinschiebt.

Trotzdem oder vielleicht gerade dadurch zeichnet er ein sehr anschauliches Bild der europäischen Gesellschaft (oder eigentlich die des Bürgertums) am Anfang des 20. Jahrhunderts. Trotzdem, generell gesagt und ganz persönlich: müßte ich z.B. zwischen Hesse und Mann wählen, ersterer wäre klare Präferenz. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


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