 |
Joseph und seine Brüder: 4 Bände
von Thomas Mann Fischer (Tb.), Frankfurt 2003
Broschiert 544 Seiten ISBN: 3596161606


Kommentare und Bewertungen: Diskussion zu diesem Buch eröffnen
Genial
    
In der Joseph-Tetralogie zeigt Thomas Mann sich als der ganz große Geschichtenerzähler, der er ist. Nicht eine, nein, tausend Geschichten werden in diesen vier Büchern erzählt, Geschichten, die ineinander greifen, die abschweifen, jede für sich lesenswert und liebenswürdig. Überhaupt: liebenswürdig, das sind sie fast alle, die vielen Menschen, die dem Leser in dieser Mammutgeschichte begegnen. Natürlich findet man auch die typisch Mann'schen Themen wieder: das Erwähltsein (Joseph, ebenso wie Gregor, Adrian Leverkühn, Klaus Heinrich - und in ihnen letztlich Thomas Mann -, ist ein Erwählter), das Sich-selbst-Aufgeben aus Liebe, der Dualismus zwischen Kunst und Leben, zwischen dem Künstlich-künstlerisch-Verstiegenen und dem Natürlich-Unbedarften, zwischen dem geistig Schaffenden, Inerten und dem Lebendigen, Aktiven... Ich ziehe die vier Joseph-Bände mit ihrem grundsätzlich verschmitzt-heiteren Grundton, der immer wieder die Oberhand gewinnt, der düsteren Atmosphäre des Doktor Faustus und dem etwas schwül-dekadenten Verwesungsgeruch des Zauberbergs vor (ohne diesen beiden Werken die ihnen zweifellos gebührende Bewunderung zu versagen...). Verwandt ist der Erzählton in dieser Hinsicht eher dem des Erwählten und der Königlichen Hoheit. Zauberhaft und genial - wie immer bei Mann, aber hier vielleicht auf besonders charmante Weise - ist natürlich die Sprache: die wunderbar wallenden, fließenden Sequenzen, die meisterhaft durchgehaltene Leitmotivik, der stets zu erwartende jähe Umschwung von hohem Pathos, tiefer Tragik oder schmerzlicher Leidenschaft (eine andere gibt es bei Mann kaum) in ein verschmitztes Augenzwinkern, die allem zugrundeliegende subtile Ironie - all dies ist eine helle Freude für den Leser, der hohe Sprachkunst zu schätzen weiß. Ausdauer, das sei zugegeben, braucht man für dieses Meisterwerk der Erzählkunst: bei insgesamt etwa 1800 Taschenbuchseiten hat auch der schnelle und begeisterte Leser durchaus etwas zu tun. Doch es lohnt sich! Auch denjenigen, denen der Erzählstil anfangs etwas ungewohnt vorkommen möge, sei die Lektüre wärmstens empfohlen, denn in die Mann'sche Sprache kann man sich "einlesen", und wer Spaß an gut erzählten Geschichten hat, der wird seine Freude an dem Werk haben. (Autor/in)
"Josephs Reise" oder "Wie es wirklich war"
    
In diesem Werk gelingt es Thomas Mann, die Geschichte Josephs neu aufzurollen. In dem fuer ihn so kennzeichnenden Stil gibt er nicht nur dem Helden Persoenlichkeit, sondern auch den anderen Protagonisten, die Joseph laenger oder kuerzer auf seinem Wege begleiten. Menschen, die uns die Bibel als entweder gut oder boese darstellt, werden hier ploetzlich im eigentlichen Sinne menschlich, sind hin und her gerissen durch ihre Gefuehle, und ihr Handeln ist die Folge der Umstaende, in denen sie sich befinden. Jeder erfuellt so sein Schicksal, manche eben gluecklicher als andere.Nicht verschweigen darf man natuerlich, dass auch in diesem Werk wieder viel mit einem Augenzwinkern gesagt wird, gerade das scheinbar erhaben Unumstoessliche, wie zum Beispiel Gottes Wunderwirken, ironisch hinterfragt wird. Alles in allem darf man von einem Meisterwerk sprechen und Thomas Mannn rechtgeben, wenn er sagt, dass der Joseph zum besten gehoere, was er gemacht hat.
Der Leser als Träumer
   
Ich habe die 4 Bände der Josephgeschichte aus freien Stücken gelesen. Dies sei vorweggenommen, da sich viele Jugendliche darüber beschweren, sie würden immer so langweilge Bücher im Unterricht lesen. Kein Wunder, wenn "Joseph und seine Brüder" fehlt! Die außergewöhnlich langen Schachtelsätze, die man in nicht ganz so starker Form schon von dem Autor kennt, behindern den Lesefluß des ungeübten Lesers am Anfang. Doch spätestens nach dem ersten Band "Die Geschichten Jaakobs" schwimmt man im eigenartigen Rhythmus der Sätze dahin und erblickt vor seinem inneren Auge eine schon längst vergessen Welt.
Weniger ist nicht immer mehr.
 
Zwar ist eine Lesung von Thomas Mann immer etwas Besonderes, diese Veröffentlichung kann ich dennoch nicht als gute Idee bezeichnen, da alle Werke nur kurz gestreift werden. Man hat hier auch nicht das Gefühl, das Filetstücke der Werke ausgewählt wurden (was bei Thomas Mann ohnehin unmöglich ist, da seine Bücher nur aus Filet bestehen), sondern es scheint vielmehr so, dass noch einige Tonband-Fragmente da waren, die man verwursteln wollte. Also packt man einfach alles zusammen und wirft das Paket unters Volk. Für mich eine eher unselige Veröffentlichung.
Der Weg zur Humanität
    
Kaum jemand kennt sie nicht aus der Bibel, die Geschichte der grausamen Brüder Josephs, die ihn aus Eifersucht in einen Brunnen warfen und dem Vater Jakob das vom Tierblut getränkte Gewand Josephs zum Zeichen seines Todes vorlegen. Doch Reisende einer Karawane retten Joseph und verkaufen den hübschen Jungen in Ägypten in die Sklaverei. Mit vielen Talenten ausgestattet gelingt es Joseph nach freud- und leidvollen Erfahrungen zum Pharao vorzudringen und als dessen Reichsverweser große Reichtümer zu erringen. Am Ende rettet er seine Familie vor dem Hungertod, bereitet so den Boden für das Volk Israel, das viele Jahre später aus Agypten ausziehen wird, um seine religiös-geschichtliche Aufgabe zu erfüllen. Diese Geschichte erzählt Thomas Mann in seinem vierteiligen Romanzyklus "Joseph und seine Brüder". Das Thema des Romans ist der Kampf Jakobs um und mit Gott und die Stellung Josephs im göttlichen Heilsplan. Eingebettet in die wunderbar erzählte Geschichte von Liebe, Haß und Eifersucht liegt die qualvolle Suche Jakobs nach dem Heiligen, sein Ringen um die Erkenntnis Gottes, die Formung einer Idee des Höchsten. In kunstvollster Sprache überträgt Mann den Mythos in das Humane. Für junge Leser wird es nicht einfach sein, sich auf die Sprache Manns einzulassen. Die langen Sätze erfordern hohe Konzentration, das Thema ist vielschichtig und komplex. Doch wer diese Hürden nimmt, wird reicher sein, wenn er den Roman am Ende zuklappt. Mann hat ihn auf verschlungenen Wegen zu sich selbst und zu den Wurzeln einer humanen Gesellschaft geführt. Peter Hünten (Autor/in)
Absolutes Muss!
    
Mein Leib- und Magenbuch!
Die Erwähnung von Thomas Mann hat ja oft verdrehte Augen beim Gegenüber zur Folge, aber Leute: Lasst euch darauf ein!
In den Josephsromanen kommt praktisch jede Lebenslage vor, und ich staune immer wieder, wie Thomas Mann es geschafft hat, sich sogar in eine unglücklich verliebte "Mondnonne" hineinzuversetzen, die es einfach nochmal wissen will, oder in einen Sterbe-Begleiter, oder, oder... Jede Seite lohnt sich. (Autor/in)
Du bist wirklich meine Begeisterung
    
Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band
Diese vier Joseph und seine Brueder von Thoma Mann, der aus einer kurzen biblischen
Erzaehlung seine Lebensphilosophie und Lebensgemaelde entwickelt hatte sind ganz ein hervorragendes Ereignis in der Geschichte, nicht nur von der deutschen Literatur, sondern auch von der internationalen Literatur, ich glaube. Was mich belangt, vor allem koennte ich herausfinden, dass es darin die Bewusstseinsbildung des Widerstandes gegen Ungerechtigkeit und Gewaltherrschaft besteht. Und dazu noch kann ich ironisch den Eindruck und gemuetlich das Gefuehl durch diesen Roman erhalten. Diese scheint zu beschreiben romanartig, aber gleichzeitig darstellt sich als die Vielseitigkeit und die Vielfaeltigkeit sowohl von der inneren Menschlicnkeit wie auch von der ausseren Menschlichkeit dichterisch, aber doch existentiell.
Deswegen wuerde ich sagen, das ist wirklich der traditionelle, deutsche Geist und auch globale Geist, den man ersehnen soll. So meine ich, das ist erforderlich bei uns ohne Wenn und Aber nicht nur heutezutage, sondern auch zukuenftig.
Joseph und seine Brueder von Thoma Mann, du bist wirklich meine wunderbarkeit und Begeisterung!
Kim Sung Jin von Suedkorea
(Autor/in)
Historischer Roman in einem ansspruchvollen Stil
    
Insbesondere das bronzezeitliche Ägypten wird anschaulich im "Bibeldeusch" teilweise ironisch geschildert. Potiphars
Weib hat Ähnlichkeit mit der Salome nach Oscar Wild. (Autor/in)
Mehr als die Josefsgeschichte
    
Die schöne Josefsgeschichte kennt wohl jeder aus Kindergarten, Grundschule oder spätestens aus dem Konfirmanden- bzw. Kommunionsunterricht. Die Tetralogie, die Thomas Mann daraus geformt hat, ist Gegenstand ungezählter literaturwissenschaftlicher Erörterungen, Lobpreisungen und Ehrungen geworden, denen ich natürlich nichts hinzufügen kann.
Ich habe die 4 Bände mit großer Freude gelesen und werde sie wieder lesen. Die Personen sind mit ihren Stärken, Schwächen und Widersprüchen so liebevoll und wahrhaftig gezeichnet, dass man sie alle in sein Herz schließt. Die erzählte Geschichte ist nicht nur die eigentliche Josefsgeschichte, sondern besteht aus vielen schönen Einzelgeschichten, die aufeinander aufbauen und so miteinander verknüpft sind. Die Sprache erscheint nur ganz am Anfang schwierig und veraltet. Später liest man alles flüssig herunter und erfreut sich an den so poetischen Wendungen, dass es ein einmaliger Lesegenuss ist. Ich habe alle Bände in chronologischer Reihenfolge mit Pausen gelesen und habe den letzten Band als krönenden schönsten Abschluss wahrgenommen. Der erste Band war für mich hingegen eher eine Vorbereitung darauf, dass das eigentlich Große erst noch kommt.
(Autor/in)
Weltliteratur
    
Hier wird man auf schöne und fesselnde Weise in die Geschichte des Alten Testaments eingeführt. Beeindruckend, dass man aus so wenig Bibel-Versen 4 Romane machen kann ! Sehr zu empfehlen ! (Autor/in)
unlesbar

ich habe begonnen damit, aber bald aufgehört. für mich ist das keine erfreuliche lektüre und das interessiert mich nicht. die sprache ist gestelzt, getragen, pathetisch, originalistisch, adjektivistisch, mit merkwürdigen perioden versetzt. der inhalt ist didaktisch-gelehrsam und die geschichte entwickelt sich langsam bis zum geht-nicht-mehr. ergo: für uns heutige unzumutbar. lesen sie lieber henry james oder joseph conrad, jane austen oder charlotte bronte, stendhal oder balzac, italo svevo oder natalia ginzburg, lobo-antunes oder peter stamm, zum beispiel. (Autor/in)
Kein Vergleich zu den ersten zwei Bänden
  
ist dieser dritte Band aus Thomas Manns Romantetralogie "Joseph und seine Brüder". Wo Mann im ersten und zweiten Band die alttestamentarische Josephsgeschichte zum Anlaß nimmt und ausschmückt und fabuliert, beult er hier Josephs Gang nach Ägypten nur unangemessen aus. Josephs Verbindung zur Mut-em-enet wird hier gezeigt und ihre fatale Verliebtheit in den schönen Jüngling. Stellenweise noch sehr gut und sehr witzig, flaut der Roman doch sehr oft sehr ab und zieht sich einfach nur hin. Kein absoluter Genuß, obwohl die sprachliche Eleganz und der eloquente Humor natürlich über allem steht!
Joseph-die wahre Geschichte
    
Man kann fragen: "Reicht der Name Mann nicht aus, um dieses Buch zu empfehlen?" Man wird antworten: "Ja." Was gibt es darüber hinaus noch zu sagen? Die wiedererzählte Geschichte Josephs gehört wohl zum besten, was ich gelesen habe. Weshalb? Weil es eben Mann ist. Weil mit der liebenswürdigsten Sorgfalt die Charaktere entwickelt werden, weil die Menschen erst durch Manns Schilderung der biblischen Geschichte einen Charakter bekommen. Weil stets eine leichte Ironie herauszuhören ist, wenn die Sprache auf göttliches Wunderwirken kommt, von dem dieses Werk voll ist. Weil die Erzählung in aller Detailverliebtheit unglaublich fesselnd ist. Weil die Sprache wundervoll ist. Weil es, zusammenfassend gesagt, eben Mann ist. (Autor/in)
Wunderbare Bücher
    
Diese Bücher sind einfach wunderbar. Wer Sinn für gelungene Formulierungen hat, sich an der Verwendung auch nur einzelner Wörter erfreuen kann, der fühlt sich in jedem der "Joseph" Bücher zu Hause. Sicher muss man sich an den Stil gewöhnen, bleibt am Anfang an der ein oder anderen Stelle hängen. Doch das Lesevergnügen stellt sich ein. Am Ende eines Buches angekommen will man gleich zum nächsten greifen und nach dem letzten Band bedauert man, dass nicht die ganze Bibel in dieser Form nacherzählt wurde. In den gesamten Büchern schwingt immer eine zarte Ironie im Hintergrund mit, die Schwächen der Figuren werden fein herausgearbeitet. Die Bücher unterhalten auf einem wunderbaren Niveau.
Genial
    
In der Joseph-Tetralogie zeigt Thomas Mann sich als der ganz große Geschichtenerzähler, der er ist. Nicht eine, nein, tausend Geschichten werden in diesen vier Büchern erzählt, Geschichten, die ineinander greifen, die abschweifen, jede für sich lesenswert und liebenswürdig. Überhaupt: liebenswürdig, das sind sie fast alle, die vielen Menschen, die dem Leser in dieser Mammutgeschichte begegnen. Natürlich findet man auch die typisch Mann'schen Themen wieder: das Erwähltsein (Joseph, ebenso wie Gregor, Adrian Leverkühn, Klaus Heinrich - und in ihnen letztlich Thomas Mann -, ist ein Erwählter), das Sich-selbst-Aufgeben aus Liebe, der Dualismus zwischen Kunst und Leben, zwischen dem Künstlich-künstlerisch-Verstiegenen und dem Natürlich-Unbedarften, zwischen dem geistig Schaffenden, Inerten und dem Lebendigen, Aktiven... Ich ziehe die vier Joseph-Bände mit ihrem grundsätzlich verschmitzt-heiteren Grundton, der immer wieder die Oberhand gewinnt, der düsteren Atmosphäre des Doktor Faustus und dem etwas schwül-dekadenten Verwesungsgeruch des Zauberbergs vor (ohne diesen beiden Werken die ihnen zweifellos gebührende Bewunderung zu versagen...). Verwandt ist der Erzählton in dieser Hinsicht eher dem des Erwählten und der Königlichen Hoheit. Zauberhaft und genial - wie immer bei Mann, aber hier vielleicht auf besonders charmante Weise - ist natürlich die Sprache: die wunderbar wallenden, fließenden Sequenzen, die meisterhaft durchgehaltene Leitmotivik, der stets zu erwartende jähe Umschwung von hohem Pathos, tiefer Tragik oder schmerzlicher Leidenschaft (eine andere gibt es bei Mann kaum) in ein verschmitztes Augenzwinkern, die allem zugrundeliegende subtile Ironie - all dies ist eine helle Freude für den Leser, der hohe Sprachkunst zu schätzen weiß. Wer mit dieser Sprache nicht zurecht kommt, ist sehr zu bedauern, denn es entgeht ihm einer der größten Lesegenüsse der Literaturgeschichte. Ebenso wie die übrigen Werke Manns ist auch die Joseph-Tetralogie wohl keine Lektüre "fürs Volk". Der mit eher unterdurchschnittlicher Intelligenz gesegnete Leser wird dem Werk denn auch nicht viel abgewinnen können. Allen übrigen sei die Lektüre wärmstens empfohlen, denn in die Mann'sche Sprache kann man sich "einlesen", und wer Spaß an gut erzählten Geschichten hat, der wird seine Freude an dem Werk haben. Ausdauer, das sei zugegeben, braucht man ebenfalls für dieses Meisterwerk der Erzählkunst: bei insgesamt etwa 1800 Taschenbuchseiten hat auch der schnelle und begeisterte Leser durchaus etwas zu tun. Doch es lohnt sich! (Autor/in)
eigenen Kommentar schreiben, bzw Diskussion eröffnen
|
 |