 |
Die Entdeckung der Langsamkeit
von Sten Nadolny Piper 2010-01
Taschenbuch 359 Seiten ISBN: 3492207006


Kommentare und Bewertungen: Diskussion zu diesem Buch eröffnen
Der sezierende Blick in die Zeit.
   
Eine Seefahrt, na gut. Das kann spannend werden. Eine gewagte Expedition, zugegeben auch das. Aber was macht den Inhalt dieses Romans bedeutend? Es ist der langsame, der sezierende und analysierende Blick - der Blick in Bewegungen und der Blick in die Zeit. Die "Behinderung" eines Menschen, die zur Bedeutung wird, hier hat das Thema endlich Platz gefunden. Wir werden verleitet und geleitet zu einer neuen Sicht, zu einer langsamen und verlangsamten Sicht, die genauer hinsieht, die uns vielleicht sogar verspricht, am Ende schlußendlich hinter die Dinge sehen zu können - dahin, wo nur der besondere Mensch, der vermeintlich behinderte, blicken kann. Denn sein Sezierblick ist messerscharf. Und er wird auch uns auf dem OP-Tisch in neue Sehende verwandeln.
Langsamkeit in einer schnellen Zeit
    
Schneller, größer, weiter... wir befinden uns in der Zeit der Superlative. Einer sehr schnelllebigen Zeit. Was heute ist, wird morgen längst vergessen sein. Sich diesem Rythmus anzupassen scheint Ziel und Notwendigkeit der Menschen unserer Zeit zu sein. Mitglieder der Gesellschaft, die dazu nicht fähig sind, werden ausgeschlossen, verdrängt oder sogar weggesperrt.Aber Geschwindigkeit ist nicht alles, wie uns der Held dieses Buches lehrt. Sich auf seine Stärken besinnen und seinen Weg gehen ist wertvoller als alles andere.
Fesselnde und rührende Geschichte eines interessanten Mannes
    
Ergreifend mitzuverfolgen ist die Entwicklung des unverstandenen und einsamen Kindes zum Seefahrer und Entdecker. Angetrieben durch einen eisernen Willen und grössten Ehrgeiz, das zu tun für das er gänzlich untauglich scheint aber für ihn eine Erfüllung seiner Träume ist. So sind für mich der erste und der mittlere Teil des Buches die Bemerkenswerten. Die Bewunderung des zehnjährigen John Franklin für seinen "schnellen" Mitschüler sowie sein unermüdliches Studium der Navigation, rühren an und lassen grossen Respekt entstehen, für ein Kind, das sich nicht entmutigen lässt. Die Art wie John Franklin mit seiner "Behinderung" umgeht, wie er lernt, dass Menschen mit leeren Floskeln zufriedengestellt werden können wenn sie nur zum richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Promtheit vorgetragen werden, lässt kritisch sich selbst in der heutigen Zeit betrachten. Ein absoluter Lesegenuss sind die Abenteuer auf hoher See, eine Freude jeder Erfolg für John Franklin. Die zarte Liebe John`s zu einer Hure und deren un- glückliches Ende stimmt den Leser traurig, hier konnten die äusseren Umstände dem Tempo und der Geduld John`s nicht mithalten. Mit grosser Genugtuung zu verfolgen sind die Erfolge und die wachsende Anerkennung die dem Helden im weiteren Verlauf des Romans Zuteil wird. Seine Mitmenschen passen sich jetzt seinem Tempo an. Die gelungene Mischung aus Biografie und Roman über einen Mann, der nicht als grösster Seefahrer des neunzehnten Jahrhunderts oder Entdecker der Nordwest-Passage in die Geschichte eingegangen ist, ist ein Leckerbissen für jeden der Träume hat und ein Buch, das man auch langsam lesen kann... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Die Langsamkeit als Tugend
    
Sten Nadolny schafft es in diesem Buch den Leser zu packen, Ihn festzuhalten, Ihn so lange zu bremsen bis er in der Geschwindigkeit seines Protagonisten denkt und plötzlich die Welt in einem neuen Licht erkennt. Dieser Roman ist nicht nur inhaltlich faszinierend sondern eröffnet und beleuchtet eine neue Denkweise, eine Lebensphilosophie und eröffnet dem Leser Seite für Seite eine immense Kraft. Dieses Buch unterstreicht einmal mehr, daß der, der sich ein Ziel vornimmt, dieses auch erreichen wird, solange er es mit Passion und Ernsthaftigkeit verfolgt. Ein Buch, das Kraft gibt, wie nur wenig andere!
Ein absolutes Muß, für alle bei denen es schnell gehen muß.
    
Sten Nadolny schafft es ein Thema in aussergewöhnlicher Tiefe und sehr interessanten Blinkwinkeln zu transportieren: Langsamkeit. Dieses Buch sollte man all denen als Pflichtlektüre empfehlen, die sich als dynamisch agierend, ständig telefonierend und immer in Bewegung sehen. Jenen, die sich als Leitspruch gewählt haben: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Die Faszination dieses Buch fängt ein und berührt im Innersten. Es ist nicht nur ein Roman über eine faszinierende Figur sondern eine Parabel auf unser Leben. Die Besinnung auf wesentliche Eigenschaften, das Leben von wirklichen Stärken, nicht das Verdecken von Schwächen; könnte die Hauptfigur des Buches heute erfolgreich sein? Ein Buch, das zum Denken anregt, spannend ist und sehr tiefschürfend. Sehr empfehlenswert und wunderbares Geschenk für Menschen, die man mag.
Wie ein Film in slow motion
    
Ich persönlich bin ein relativ schneller Leser. Der allgemeine Ausdruck dafür ist ein "Bücherwurm". Doch bei diesem Buch brauchte ich gefühlt viel mehr Zeit als sonst und habe mich immer wieder gewundert warum ich die knapp 350 Seiten nicht schon längst durchhab.
Der Autor lässt mit wenigen Worten und schlichten Sätzen die Welt des 18.-19. Jahrhunderts entstehen. Mittendrin John Franklin, der die Welt nur langsam aufnehmen und verarbeiten kann. Man nimmt in dem Buch seine Sicht und Gedanken ein, wodurch sich die Zeit beim Lesen zu verlangsamen scheint.
Die Geschichte selbst ist in meinen Augen nicht das Highlight, es ist vielmehr das Erlebniss beim Lesen den Blickwinkel von John Franklin einzunehmen und so zumindenst 350 Seiten lang, die Welt ein Stück besser zu begreifen. (Autor/in)
Die Uhr tickt unaufhörlich, aber jeder muss sein eigenes Maß finden
   
"Es gibt drei Zeitpunkte, einen richtigen, einen verpaßten und einen verfrühten."
"Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny stellt im Grunde eine Reflexion über die Zeit und ihre Nutzung durch das Individuum dar. Schnelligkeit bedeutet dabei nicht notwendigerweise eine bessere Nutzung der Zeitressource, sondern kann -im Gegenteil- häufig auch zu schwerwiegenden Fehlurteilen und Mißverständnissen führen. Anhand der Nachzeichnung eines Lebenslaufes von Sir John Franklin (1786-1847), dem bekannten englischen Nordpolfahrer, wird der Leser auf eine vielschichtige Betrachtung des Ausgangsthemas mitgenommen und implizit dazu eingeladen, sich selbst über seine eigene Zeitnutzung Gedanken zu machen.
Für denjenigen, der sich darauf einläßt, anscheind gewohnte Dinge etwas langsamer zu betrachten, wird seine Freunde an dem Buch haben und viele neue Facetten aus dem Alltag für den Alltag erkennen. Wer hingegen eine detailgetreue Biographie von Sir John Franklin erwartet, wird in der Hinsicht entttäuscht werden, dass Tatsachen und Fiktion so weit verwoben werden, dass es ratsam erscheint, eine unabhängige Biographie zur Hand zu nehmen.
"Die Entdeckung der Langsamkeit" ist ein Buch auf sehr hohen sprachlichen Niveau mit sehr vielen geistreichen Erkenntnissen zum Thema Zeit. Ich bewerte daher das Buch mit vier von fünf möglichen Sternen. (Autor/in)
Alle Macht den Langsamen
    
"Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ziellos umherrirrt." (Gotthold Ephraim Lessing)
Die antiquarische gebundene Ausgabe in Bestzustand ist ein Credo für mich, bestätigt mich das Buch doch in meinem Mut zur Langsamkeit und zur Verzögerung der Zeit. Verharren, reflektieren ist für mich das Gebot der Stunde; wer langsam geht (und denkt), kommt auch ins Ziel! (Autor/in)
naja
  
- bisschen konfus geschriebenes Buch
- hat aber einige gute Passagen
- fesselt jedoch selten (Autor/in)
Hörbuch gelungen
   
Auch ich bin der Ansicht, dass Autoren nicht immer die besten Vorleser sind. Einige sind sogar unerträglich. Aber hier ist die Lesung absolut gelungen. Die Stimme von Sten Nadolny ist angenehm melodisch und das Tempo dem Buch angemessen. Man hört es jedoch definitiv besser vor dem Einschlafen als beim Autofahren - alles zu seiner Zeit und an seinem Ort. (Autor/in)
Eine gelungener Leitfaden über das Thema "Zeit"
    
Der Held des Romans ist eine Person der Geschichte, John Franklin, der Entdecker der Nordwest-Passage. Das Buch spielt zu Beginn des 19. Jhrds. Jedoch ist das Buch keine trockene Biographie, sondern der Versuch, sich mit Hilfe von J. Franklin dem Empfinden der Zeit zu nähern. Der Leser lernt sehr schnell, daß mit John etwas nicht stimmt: Er ist viel langsamer, als die übrigen Menschen. Wer sich jedoch die Mühe macht, in die Gedankenwelt von Franklin einzutauchen, entdeckt bald eine faszinierende Welt. Gerade am Ende des 20. Jhrds. in einer hektischen, von Maschinen geprägten Welt scheinen wir das perönliche Verhältnis zur Zeit verloren zu haben. Der Leser kann in diesem Buch entdecken, wie wundervoll es ist, sich Zeit für den eigenen Rhythmus, den eigenen Traum und das geruhvolle Entdecken der Umwelt zu nehmen. Entdecken Sie mit John Franklin auf seiner "Zeitreise" die fremdartige, faszinierende Welt der Langsamkeit.
Tolles Buch für MARE Fans
    
Mit "Entdeckung der Langsamkeit" hat Nadolny einen sehr einfühlsamen Roman geschrieben. Innerhalb von 3 Tagen hatte ich das Buch durchgelesen. Mit maritimen Details durchsetzt wird das Leben des Polarforschers John Franklin beschrieben und wie er aus seiner naturgegebenen Langsamkeit eine Tugend macht, die mehrfach sein und das Leben anderer rettet. Alles in allem ein toller Roman.
Eine scheinbare Behinderung wird zur besonderen Gabe
    
Es ist ein Seefahrerroman und ein Abenteuerroman und ein Entwicklungsroman und er ist klasse, wirklich klasse.Sten Nadolny verarbeitet hier die Biographie des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Franklin zu einer subtilen Studie über die Zeit und die Kunst durch Langsamkeit dem Rhythmus des Lebens Sinn zu verleihen. John Franklin träumt von Kind an , zur See zu fahren, obwohl er dafür denkbar ungeeignet sit: Langsam im Sprechen und Denken, in seinen Reaktionen und erst sein Lehrer erkennt die Vorzüge der Langsamkeit. John behält alles und begreift die Details viel besser als andere. So wird auf dem bemitleidenswerten Jungen ein Mann, nach dessen Kennenlernen wir uns wünschen, wir wären ein wenig nur wie er. Er verwirklicht seinen Jugendtraum und startet Expeditionen in die Arktis, von der letzten kehrt er nicht zurück. Das Buch zu lesen ist so schön wie Weihnachten, es ist wunderschön geschrieben, Nadolny läßt uns seinen Protagonisten so lebendig erscheinen, das wir uns am Ende des Buches mit Tränen in den Augen von ihm verabschieden. Die Kritik hat diesen Roman mit großem Lob überschüttet - zu recht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Langsamkeit, die sich lohnt
    
Sten Nadolnys Roman "Die Entdeckung der Langsamkeit" zeichnet das Leben des englischen Seefahrers und Entdeckers John Franklin nach. Das Buch ist indessen weder eine Biographie noch ein Abenteuer- oder Seefahrerroman. Es ist eine Lebenserzählung, in dessen Mittelpunkt ein Mann, John Franklin eben, steht, der sich durch eine Eigenschaft auszeichnet, die gemeinhin weder damals noch heute als Auszeichnung verstanden wird: Franklin ist langsam. Langsam in seinen Bewegungen, langsam in seiner Art zu denken. Seine Langsamkeit ist Hemmschuh und Hilfe zugleich bei seinem grossen Ziel: Der Erforschung der Arktis und insb. die Entdeckung der sagenumwobenen Nord-West-Passage. Franklin kommt früh zur Seefahrt, aber seine Laufbahn beginnt beim Militaer. Er erlebt tödliche Seeschlachten, u.a. unter Admiral Nelson und man spürt seine furchtbare Angst, die vor allem aus seiner Langsamkeit resultiert, während doch in der Schlacht alles schnell gehen muss. Nadolny schildert das so eindringlich, daß der Leser zum einen geradezu die Angst Franklins teilt, an seiner Langsamkeit teilnimmt und mit ihm fiebert und hofft. Zum anderen aber, und das trifft auf das gesamte Buch zu, schafft Franklins Langsamkeit eine Spannung beim Leser, die ihn begierig und damit schnell weiter lesen läßt. Zwischen seinen militärischen Erfahrungen liegen Franklins Expeditonen in die Arktis. Nadolny versteht es, gerade hier Spannung aufzubauen. Immer mehr versetzt sich der Leser in Franklin und nimmt teil an seiner Langsamkeit, an seinen vielfältigen Methoden, die dadurch vorhandenen Nachteile auszugleichen. Je länger man liest, desto mehr fühlt man sich selbst ein wenig paralysiert durch Franklins Langsamkeit, die ihn oft genug das Ziel verfehlen läßt, wie etwa in seiner Zeit als Gouverneur, in der er, ans Land gefesselt, fern der Arktis, mehr schlecht als recht seine Aufgabe erfüllt. Franklin ist der Erfolg in vielen Dingen versagt geblieben, aber der Leser sieht es ihm nach. Daß das Buch ein Plädoyer für die Langsamkeit ist, wird man kaum sagen können, dafür hatte Franklin mit ihr viel zu sehr zu kämpfen und unter ihr zu leiden - freilich gerade deshalb, weil schon damals alles schnell zu gehen hattte. Fazit: Ein höchst lesenswertes Buch, das wohlgemrkt kein Sachbuch ist, sondern ein Roman, ein Erzählwerk, dem es gelingt, dem Leser mehr von der Person John Franklins nahezubringen als dies eine "trockene" Biographie je schaffen könnte. Und in einem unterscheidet sich der Leser von Franklin: Er (der Leser) ist schnell - jedenfalls wenn es darum geht, dieses Buch zu lesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
eigenen Kommentar schreiben, bzw Diskussion eröffnen
|
 |