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Liebe: Ein unordentliches Gefühl
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Liebe: Ein unordentliches Gefühl
von Richard David Precht Goldmann Verlag 2010-05-24
Taschenbuch 400 Seiten ISBN: 3442155541


Kommentare und Bewertungen: Diskussion zu diesem Buch eröffnen
Ganz nett, aber man kann nicht immer genial sein...
  
Nach dem ersten, äußerst gelungenen Buch, das ich mit Freude und Interesse gelesen habe, muß dieses hier als weniger kurzweilig bezeichnet werden.
Stilistisch und methodisch ist ein Aufguß des ersten Bestsellers... - und auch inhaltlich finden sich Redundanzen. Luhmann ist uns im ersten Band schon begegnet, der Trend-Typ des Jahres, Mr Darwin, ebenfalls. Okay, der Autor will systematisch vorgehen und versucht, amüsant zu bleiben. Aber der Abriß der Philosophiegeschichte zum Thema Liebe verquickt mit den neusten Ansätzen aus Biologie und Psychologie sowie der Hirnforschung liest sich streckenweise doch langatmig. Als wichtigste Erkenntnis habe ich aus diesem Werke mitgenommen, daß Herr Precht selbstlose Liebe negiert und sich über all' jene wundert, die diese für möglich halten. Christliche Nächstenliebe, nicht fordernde Liebe ist für ihn ein Konstrukt, das es nicht geben kann. Liebe konstituiert sich für ihn immer in der Widerspiegelung des Eigenen durch die Augen des Partners, fußt also für Precht vor allem auf narzißtischen Bedürfnissen. Ich bin von dieser "unordentlichen" Einsicht nicht begeistert... zudem ist sie auch nicht wirklich neu. Precht braucht fast 300 Seiten, um sie zu formulieren... und langweilt mich streckenweise immer wieder, obwohl er sich solche Mühe gibt, seine Einlassungen mit persönlichen Bekenntnissen zu würzen ("Ich fand mein Glück in Luxemburg"). Unlängst von der "Brigitte" zu einem der schönsten Männer Deutschlands gekürt, könnte sich dieser hochintelligente Doktor phil. getrost zurücklehnen und entspannen, statt dessen nimmt er dieses Buch zusammen mit seiner Frau als Hörversion auf und tourt damit auch durch große deutsche Säale.
Ach, ich find' ihn klasse, diesen Mann, er sieht nicht nur gut aus, sondern hat echt 'was im Kopf, schreibt gut und hat mit seinem ersten Buch wirklich Grandioses geleistet. Dieses zweite hier will nahtlos anschließen an den Erfolg des ersten, greift das wichtigste Thema der Welt auf -und kann summa summarum doch nicht wirklich begeistern. Irgendwie merkt man eben, daß Precht sich sehr angestrengt hat, seinen eigenen Bestseller noch mal zu toppen... - warum bloß? Die Frage aber kann nur er allein beantworten. Wirklich gebracht hat mir die Lektüre seines Versuches über die Liebe nichts. Ein Abend mit einem Shakespeare-Drama wäre anregender! (Autor/in)
Enttäuschend - ein unordentliches Buch!
 
Nach einem schwungvollen Beginn hat man die Hoffnung, sich in dieses Buch verlieben zu können, wird dann aber schnell enttäuscht. Sehr früh schweift Precht weit vom Thema ab und verliert sich zunehmend in Nebenkriegsschauplätzen, wie beispielsweise der Frage wie unterschiedlich die Geschlechter sind. Dazu führt er einen privaten Feldzug gegen die Evolutionspsychologie. Diese hat durchaus ihre blinden Flecken und darf kritisiert werden - aber nicht so wie Precht es tut: Indem er sie ins lächerliche zieht und Einzelfallbeispiele als Gegenbeleg anbringt. In diesem ersten Teil Mann und Frau" zeigt sich der Autor auch aus fachwissenschaftlicher Sicht nicht immer als sattelfest. Bisweilen hat man das Gefühl, Precht will bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse einfach nicht wahr haben. Erst nach fast 160 Seiten wendet er sich dann dem tatsächlichen Thema zu. Leider wird das Buch dadurch noch schlechter. Im Gegensatz zu den Studien und Experimente der Psychologen und Naturwissenschaftler scheinen Precht die angestaubten Aussagen von Philosophen und Soziologen wesentlich hieb- und stichfester zu sein. Jedenfalls zitiert er sie im nun folgenden Teil ausführlich und führt ausführliche philosophische Interpretationen. Das Buch entfernt sich mit diesem zweiten von drei Teilen sehr weit vom Alltäglichen. Es ist nach wie vor angenehm geschrieben, aber der Inhalt ist schlichtweg langweilig. Teilweise muss man sich jetzt durch die Seiten kämpfen. Das ändert sich im dritten und abschließenden Teil Liebe heute" wieder. Hier sind zumindest interessante Gedanken zu finden, so richtig überzeugend ist aber auch dieser Part nicht. Insgesamt wirkt dieses Buch sehr unausgegoren, es fehlt ihm der rote Faden und die Kapitel haben teilwiese zu wenig Bindung zueinander. Schwer zu sagen, ob Precht einfach zu viel auf einmal wollte oder das Buch hingeschludert hat. Nicht ganz optimal gelöst ist auch das etwas chaotische (aber wenigstens umfangreiche) Literaturverzeichnis.
Trotz gelegentlich guter Ansätze ist dieses Buch aufgrund zahlreicher Mängel keinesfalls die große Liebe sondern ein enttäuschender One-Night-Stand.
(Autor/in)
erneut ein interessantes Buch von R. D. Precht
   
Nach seinem äußerst erfolgreichem Buch "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele", daß sich mit der Philosophie beschäftigte, folgt nun sein nächstes Buch, "Liebe - Ein unordentliches Gefühl.
Hier beschäftigt sich der Autor mit dem Thema, welches alle beschäftigt: mit der LIEBE!
Dabei nähert er sich diesem Thema so ähnlich, wie in seinem vorherigen Buch, das von der Philosophie handelte. Geschichte, führende Wissenschaftler, Biologie, Soziologie, Psychologie der Liebe. Dabei ist dieses Buch kein Ratgeber, sondern soll uns das Phenomän Liebe erklären oder zumindest näher bringen.
Dabei bedient er sich seinem schon bekannten Schreibstil, teils witzig, teils erklärend, manchmal aber auch zu trocken und sich in kleinen Details verlierend.
Alles in allem ein Buch, das man lesen kann oder auch sollte, der sich mit dem Thema Liebe beschäftigen möchte oder beschäftigt und mehr darüber wissen möchte, auch rein wissenschaftlich. Andere sollten sonst einen Bogen um dieses Buch machen. (Autor/in)
Liebe auf Erden
   
"Liebe ist das unwiderstehliche Begehren unwiderstehlich begehrt zu
werden," sagte einmal Mark Twain mit viel Humor und wusste auch nicht
weiter.
Es gibt wohl kaum mehr Missverständnisse als über die Liebe, weil sie
uns so wichtig ist. Darum Dank an Herrn Precht für seine Erforschung
und Betrachtung über das unordentlichste Gefühl von allen.
Aber ist die Liebe ein Gefühl? Ist denn ein Gefühl nicht eine sinnliche
Reaktion auf etwas und die Liebe etwas ganz anderes?
Precht tut gut daran ein Beobachter und Forscher zu bleiben und uns
einen Einblick in verschiedene Erfahrungen und Betrachtungen zu geben.
Ich fand in diesem Hinblick "Was wir von der Liebe verstehen" von Elke
Naters und Sven Lager großartig. Das Schriftstellerpaar erweitert noch
mal um einen großen Schritt, was Precht andenkt und wunderbar
beschreibt. Das Paar beschreibt seine Versuche und sein Scheitern in
der Liebe und sucht nach dem Ursprung von dem, was Precht von allen
Seiten betrachtet. Oder um es mit der Sonne zu beschreiben, die uns
alle unterschiedlich wärmt. Während Precht die gefühlten Wärmgrade auf
der Erde untersucht, erforschen Naters und Lager in "Was wir von der
Liebe verstehen" die Quelle, die Liebe, die über ihnen steht. Beides
ergänzt sich wunderbar. (Autor/in)
Liebe, ein Abfallprodukt der Evolution
    
Eine Feststellung von Richard David Precht, der ich zu stimme, auch wenn Abfallprodukt nicht gerade ein Wort ist das sehr positiv klingt, aber so gemeint ist. Mir hat das Lesen dieses Buches Spaß gemacht, ich fühlte mich unterhalten und mich nicht mit allerhand komplizierten Worten und Satzbauten erschlagen, die einem manchmal den Inhalt wie Sand durch die Finger rieseln lassen.
Das Thema ist Liebe und zwar zwischen Menschen die eine Paarbindung eingehen wollen bzw. schon eingegangen sind. Es versucht zu erklären und zu ergründen, woher das Gefühl rührt und unsere Vorstellung davon.
Es werden viele Bereiche angeschnitten, die der Biologie, der Evolution, der Sozialbiologen usw. Inwieweit die Thesen, die er von anderen Philosophen, Wissenschaftlern zu dem Thema angibt, gut oder schlecht wieder gegeben werden, mag ich nicht zu beurteilen.
Ich persönlich finde das auch nicht besonders relevant. Ich finde nur das, was er dort weg argumentiert oder in Frage stellt, also wie Thesen zum Egoistischen Gen oder das ganze Arsenal von Glücksbüchern, das es auf dem Markt gibt, finde ich, vertritt Herr Precht eine für mich alltagtaugliche Anschauung bzw. Vorstellung von Liebe. Er geht das Thema praxisnah an, nicht allzu philosophisch, was ich als Vorteil und nicht als Nachteil für dieses Buch ansehe.
Will man es lieber elitär haben oder sagen wir, wissenschaftlicher, philosophischer, dann sollte man wohl offensichtlich zu anderer Literatur greifen.
Für alle anderen, die sich ausschließlich mit der Paarliebe, so wie sie jetzt ist, beschäftigen, sich Gedanken machen, was und warum etwas schief laufen kann in einer Beziehung und warum es so viele unterschiedliche Vorstellungen von Liebe bzw. Ansichten gibt, ist mit dem Buch gut beraten.
Es informiert mit viel Charme und einem Quentchen Humor.
Precht bietet einen ausführlichen Anhang, um in andere Literatur noch tiefgreifender zu dem Thema einzusteigen oder auch um noch einmal genauer nachzulesen. Was immer zu empfehlen ist, wenn man es genauer wissen will und um nicht falschen Informationen zum Opfer zu fallen. (Autor/in)
Wissenschaft
  
Prechts umfangreiches Werk ist eingeteilt in drei Abschnitte.
Er beschäftigt sich mit den Unterschieden der Geschlechter, bezieht dabei auch die Gender- Forschung mit ein; außerdem mit der Frage, was Liebe als Gefühl überhaupt ist und schließlich damit, welche Rolle die Liebe in unserer heutigen Gesellschaft spielt.
Wissenschaftliche Thesen werden erläutert und kritisch hinterfragt, Bücher vorgestellt, sowie wichtige Forscher und zahlreiche Statistiken.
Ich habe mich auf ein philosophisches Buch zum Thema Liebe gefreut und nicht auf eine wissenschaftliche Abhandlung. Es interessiert mich nicht, welcher Affe was in einer Höhle unter welchen Umständen gedacht hat, welche Hormone beim Anblick eines geliebten Menschen freigesetzt werden "können" und wie sich das sexuelle Verhalten von Mäusen manipulieren lässt. In den Bereich der Philosophie ist das Buch also leider nicht einzuordnen. Vielmehr passt es in Gebiete wie Soziologie, Gender-Forschung, Psychologie und vor allem Biologie.
Fazit: Guter Schreibstil, zu viel Wissenschaft. Interessant für diejenigen, die über den neuesten Forschungsstand informiert werden möchten. (Autor/in)
Precht denkt zu lokal
  
Das Buch ist sehr gut geschrieben und bietet Einsicht in die Meinungen verschiedener Philosophen. Leider verfällt Precht in den Fehler aller Philosophen von der Klassik bis zur Moderne, die "Westliche Welt" mit der ganzen Welt gleich zu setzen. Aus diesem Grund haben wir ja ein Integrationsproblem mit Menschen aus anderen Kulturen. Wir brauchen Analysen von solchen Themen wie die "Liebe" aus globaler Sicht! (Autor/in)
Vieles wird verstehbarer
    
Zufällig durch eine Fernsehsendung darauf aufmerksam geworden, habe ich mir das Hörbuch gekauft und bin begeistert. Besonders wo es ans "Praktische" geht (CD 3) macht es wirklich Sinn, sich dieses Hörbuch zu kaufen. Ich verstehe jetzt Vieles besser, zumal sich das Gesagte mit meinen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen deckt. Was das Tolle ausmacht ist, daß ich hier den Hintergrund auf verständnisvolle Weise erklärt bekomme und mich durch die wiederholte Auseinandersetzung mit dem Gesagten viel besser selbst "korrigieren" kann und mehr Verständnis aufbringe. Was will man mehr?? (Autor/in)
Brilliant
    
Richhard David Precht ist ein außergewöhnlicher Autor. Er kann nicht nur leicht lesbar und amüsant schreiben, er weiß auch genau, worüber er schreibt. Im ersten unterscheidet er sich von fast allen Wissenschaftlern, im zweiten von fast allen "Erfolgsautoren", die sich dieses Themas annehmen. Schon das (sogar kommentierte) Literaturverzeichnis lässt sofort erkennen, dass hier kein Durchschnittsschreiberling unverdaute Fremderkenntnisse fehlinterpretiert zu einem Bestseller zusammenzustellen versucht. Hier wurden die wirklich bedeutenden Wissenschaftler gelesen,ihre wichtigsten Arbeiten verständlich zusammengefasst und einander gegenübergestellt. Prechts eigene und als solche kenntliche Überlegungen sind klar und beachtenswert. Ein Buch, das jedem gefallen dürfte, der Denken auf der Basis von Wissen liebt und Bücher von J. Gray oder A. Pease beiseite legt. (Autor/in)
Liebe - ein, Gott sei Dank!, unordentliches Gefühl!
    
Ein wunderbarer zweiter Ausflug in die Welt der Philosophie, Psychologie, Biologie, Soziologie und in die augenzwinkernde Gedankenwelt des Autors zum Thema Liebe, Sexualität und Partnerschaft (was, wie zu erfahren, nicht zwingend Hand in Hand gehen muss ;-) )!
Nur sei erwähnt, dass dies kein weiterer, unsinniger Ratgeber zum Auf"peppen" oder "Retten" einer Partnerschaft ist, sondern ein ausführlicher aber trotzdem spannender Ausflug durch die Welt der unterschiedlichen Ansichten der Liebe, wie bereits in "Wer bin ich?" mit herrlich schönem Schreibstil und mit einem netten Augenzwinkern.
Mir hat dieses Buch einen sehr schönen und humorvollen Blick auf die eigene Beziehung, als auch auf die Ansichten der verschiedenen "Experten" ermöglicht, welche oft nur mit einem Schmunzeln quittiert werden können. :-)
Auf jeden Fall ist dieses Buch denjenigen zu empfehlen, die sich gern den Horizont etwas erweitern lassen und sich aber ansonsten ihren eigenen Reim auf das Thema Liebe machen möchten.
Nur schreckt den Gelegenheitsleser vielleicht der anspruchsvolle Schreibstil etwas ab. Aber das dürfte wohl kein Problem sein :-)
Vielen Dank, Herr Precht für ein weiteres tolles Buch!
Nur weiter so. (Autor/in)
Interessant, und dennoch nicht erklärend
  
Das Buch hat 400 Seiten (und nicht 320 wie aktuell angegeben), zu denen ca. 25 Seiten Literaturverzeichnis und Register zählen. Es gliedert sich in die drei großen Abschnitte:
1. Frau und Mann
- Thema der Kapitel 1-5 sind die biologischen und kulturellen Grundlagen der Geschlechterrollen.
2. Die Liebe
- Thema der Kapitel 6-10 ist die Liebe im biologischen Sinn.
3. Liebe heute
- Thema der Kapitel 11-14 ist die Liebe in der heutigen Zeit, z. B. die Fragestellung, warum die romantische Liebe so wichtig geworden ist.
Precht macht zunächst klar, dass es in seinem Buch nicht um die Liebe im Allgemeinen (inklusive etwa der Liebe von Eltern ihren Kindern gegenüber) geht, sondern eingeschränkt (13) "um die geschlechtliche Liebe zu einem Liebespartner".
Positiv ist zunächst anzumerken, dass sich Precht seinem Thema nicht rein philosophisch nähert, sondern ganz bewusst auch auf der Grundlage des aktuellen Standes der Naturwissenschaften. Seine Darstellung ist meist sehr personenbezogen. Recht häufig beginnt er ein Kapitel mit der Beschreibung des Lebens und den Eigenarten einer Persönlichkeit, die sich im Zusammenhang mit dem Thema besonders hervorgetan hat. Hierdurch ist der Text sehr angenehm und unterhaltsam zu lesen, wenngleich ich auch Leser kenne (in der Regel Männer), die genau das nicht mögen (und solche Ausführungen als belanglose Anekdoten abtun). Ich schätze so etwas dagegen sehr, da ich mir das Beschriebene dann viel leichter einprägen kann.
Precht beginnt mit einer Beschreibung - und Kritik - des Standpunktes der Evolutionären Psychologie (bzw. Soziobiologie) zum menschlichen Sexualverhalten, den er recht treffend wie folgt zusammenfasst (29): "Unsere Psyche sei sehr fein auf die Umwelt abgestimmt. Diese Umwelt aber - und dies ist der springende Punkt - ist nicht unsere heutige Zeit, sondern jene Epoche, in der der moderne Mensch biologisch entstand: die Steinzeit." Sehr nachvollziehbar kritisiert er die Erklärungswut dieser Disziplin, die für fast jedes Phänomen (zum Beispiel die Dauerschwellung der weiblichen Brüste, die es in der Form bei anderen Primaten nicht gibt) eine angeblich plausible Begründung parat hat. Precht liefert hier zum ersten Mal einen seiner Haupteinwände: Nicht jedes beobachtbare Phänomen muss unbedingt auf einen Vorteil zurückzuführen sein. Es reiche, wenn es nicht nachteilig ist. Als mögliche alternative Erklärung der weiblichen Brüste führt er die hormonelle Wirkung der in der Altsteinzeit vorherrschenden Fleischnahrung an (in Ländern mit starkem Fleischkonsum sollen die Frauen angeblich größere Brüste haben als in anderen Ländern - ich habe mir deshalb jetzt vorgenommen, in Zukunft wieder etwas mehr Fleisch zu essen).
Precht hält die Vermutung der Soziobiologen, dass neben dem Fortpflanzungstrieb auch unsere Liebe und Libido aus der Steinzeit stammen, für eine sehr mutige Behauptung (39). Als Beleg dafür führt er an, dass sich alle Primaten bei der Sexualität erheblich unterscheiden, und dass das Sexualverhalten des Menschen von keinem anderen Primaten abgeleitet werden kann. Sein Verdacht ist deshalb (47), "dass die menschliche Liebe zwischen den Geschlechtern so viel mit der Evolution von Kultur zu tun hat, dass alle Versuche einer Naturgeschichte der Liebe fehlschlagen müssen."
Sehr lesenswert fand ich seine Ausführungen zur und Kritik an der Gesamtfitness-Theorie Hamiltons, die Richard Dawkins später zur Theorie der egoistischen Gene popularisierte, man könnte vielleicht lediglich einwenden, dass er hier eine Spur zu spöttisch wirkt. Sein Fazit (62): "Nicht die Gene bestimmten über den Erfolg eines Lebewesens, sondern der Erfolg eines Lebewesens entscheidet über das Überleben der Gene." Dawkins-Jünger würden ihm an dieser Stelle vermutlich vorwerfen, dass er die metaphorische Bedeutung des Begriffs des egoistischen Gens nicht verstanden habe. Problematisch schien mir hier lediglich sein Verweis auf Lewontin und Gould zu sein, die nach meiner Kenntnis diesbezüglich keineswegs richtungsweisend wirkten.
Den soziobiologischen Überlegungen schließt sich ein Kapitel über den Unterschied zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht (Gender) an. Hier waren mir seine Aussagen viel zu allgemein gehalten. Es ist zwar richtig, dass die Geschlechtsrollenunterschiede zwischen Frauen und Männern nicht allesamt biologisch begründet sein müssen, sondern zum Teil oder sogar in Gänze sozial konstruiert sein können, das heißt aber noch lange nicht, dass sie im statistischen Mittel vollständig angeglichen werden können, wie Mersch geradezu zwingend nachwies. Genau davon geht aber die moderne Gendertheorie aus, die Precht keineswegs zurückweist.
In den Folgekapiteln geht es dann um die zentrale Frage, wieso es überhaupt Frauen und Männer gibt (141ff.). Dieser Abschnitt ist für mich der bei Weitem schwächste des ganzen Buches. Richard David Precht stellt zunächst verschiedene Hypothesen vor, die erklären wollen, weshalb es eine getrenntgeschlechtliche Fortpflanzung gibt, um diese dann aber allesamt mehr oder weniger als wenig stichhaltig zurückzuweisen. Einmal mehr merkt er an (147): "Phänomene wie die sexuelle Fortpflanzung müssen nicht deshalb entstanden sein, weil sie einen Vorteil boten, der größer war als ihr Nachteil." Und das ist - mit Verlaub gesagt - leider völlig absurd. Doch Precht legt noch eins drauf (147):
"Das skurrilste aller Argumente für die Zweigeschlechtlichkeit ist übrigens, dass eingeschlechtliche Lebewesen stets primitiv geblieben sind und sich nicht weiter zu neuen und spektakulären Formen entwickelten. 3,3 Milliarden Jahre evolutionärer Stillstand, wenn man so will. Schon richtig, aber was ist daran schlecht? Aus welcher Perspektive argumentieren wir, wenn wir dies anprangern?"
Nun, wir prangern dies aus der Position des Menschen an. Wie Mersch in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem stringent nachweist, hätte es ohne die getrenntgeschlechtliche Sexualität auf der Erde nur ein Fressen-und-Gefressen-werden gegeben, denn erst mit der getrenntgeschlechtlichen Sexualität kam eine der größten Erfindungen der Evolutionsgeschichte überhaupt: das "Gefallen-wollen" (die sexuelle Selektion), was auch die Grundlage der Liebe schlechthin sein dürfte. Mersch zeigt, dass Kultur, Höflichkeit, Altruismus und Zivilisation ohne Gefallen-wollen allesamt nicht wirklich vorstellbar sind.
Das Problem an dieser Stelle ist, dass Precht einen bedeutenden Teil der Biologie schlicht und ergreifend ausklammert und ignoriert. Ich fragte mich immer wieder, wie man ein Buch über die sexuelle Liebe schreiben kann, ohne Bücher wie Geoffrey F. Millers Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes., Matt Ridleys Eros und Evolution. Die Naturgeschichte der Sexualität. oder Zahavis Signale der Verständigung (Handicap-Prinzip) auch nur zu erwähnen. Der große Irrtum der Evolutionären Psychologie ist nämlich, dass sie annimmt, viele menschliche Verhaltensweisen seien aus der Anpassung des Menschen an die natürlichen Rahmenbedingungen der Steinzeit zu erklären. Dabei ist der Mensch vor allem ein soziales Tier: Sehr viele seiner Merkmale - inklusive seiner Kultur - sind im Anpassungsprozess gegenüber seinem sozialen Umfeld (insbesondere den Präferenzen des anderen Geschlechts) und nicht der Natur entstanden, was übrigens auch für Phänomene wie den Vogelgesang gilt.
Precht verwendet in diesem Zusammenhang dann leider auch Formulierungen, die unter Evolutionsbiologen als äußerst verpönt gelten (148): "Und wie der Sex in die Welt kam, ist ebenso unbekannt wie sein Zweck. Möglicherweise, so steht zu vermuten, gab es gar keinen höheren Sinn dabei." Dabei wird unter Evolutionsbiologen allgemein akzeptiert, dass die Evolution keinen Zweck und keinen höheren Sinn verfolgt. Sex kam in die Welt, weil er evolutionäre Vorteile besaß. Welche das sind, lässt sich fast abschließend (obwohl leider nicht so schön formuliert und strukturiert wie bei Precht) bei Mersch nachlesen.
Der letzte Abschnitt "Liebe heute" (Kapitel 11-14) hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen. Ich habe dennoch drei Sterne vergeben, weil das Buch insgesamt sehr interessant ist, und sich die meisten Leser möglicherweise vor allem für den dritten - gelungenen - Abschnitt interessieren werden. (Autor/in)
Wanted: "LOVE"
 
Der zweite Fahndungsmisserfolg: Zuerst das "Selbst" nicht gefunden ("Wer bin ich und wenn ja, wie viele?") und nun - trotz intensiver Suche (wieder über fast 400 Seiten!) - immer noch Unklarheit über die Entstehung, die Bedeutung und den Verbleib von "Liebe"!
Liegt es an den "Hilfssheriffs", die Precht auf die Suche schickte? Vorher die Hirnforscher, jetzt die "evolutionären Psychologen" (schrecklicher Begriff!), und dann immer diejenigen mit den drolligsten Ideen und den kuriosesten Lebensläufen? Oder liegt es am "Sheriff" selbst? Etwa wieder einmal fehlender Sachverstand? Die falsche Einschätzung der Wichtigkeit von zwei Geschlechtern und damit der sexuellen Fortpflanzung lässt das vermuten: Precht (S. 143): "Warum gibt es überhaupt zwei Geschlechter? Ein Rätsel, auf das es bis heute keine Antwort gibt! Wenn er ganz ehrlich zu sich selbst ist, müsste ein Biologe eigentlich sagen: "Was weiß ich, warum es Liebe gibt? Ich weiß ja noch nicht einmal, warum es Mann und Frau gibt!"". Eine Beleidigung für jeden Biologen und ein Armutszeugnis für Prechts Glaubwürdigkeit! Die sexuelle Fortpflanzung ist nun einmal der "Turbo" der biologischen Evolution, ein Schnellverfahren, um Mutationen (in den Keimzellen der Geschlechter) zusammenzubringen und ihre Kombination dem Test an der Umwelt zuzuführen!
Nun zum Thema "Liebe". Hier ein erster Hinweis, wie man der Liebe und ihrer Bedeutung auf die Spur kommen kann (siehe auch tag "Welterklärung" und Wolf Schneiders brillant erzählte Geschichte der Menschheit: "Der Mensch. Eine Karriere"): Die Liebe ist etwas Schönes. Das weiß auch Precht. Für die Biologen ist das Schöne aber immer zugleich auch ein Wegweiser hin zum Nützlichen, wie z. B. das angenehme Geschmackserlebnis "süß", das uns auf die Bedeutung des Zuckers als schnellen Energielieferanten aufmerksam machen soll. Es ist ein Trick der Natur, der uns das Überleben sichern und uns sozusagen zum eigenen Glück zwingen will. Auch das Alte Testament gibt einen Hinweis: "Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären", lässt Moses dem sündigen Weib von Gott ausrichten. Es ist der relativ große Kopf des Kindes mit seiner umfangreichen "Hard- und Software" für ein ausgeprägtes Bewusstsein, der der Mutter bei der Geburt Probleme bereitet. Der Mensch muss frühzeitig - noch unvollkommen an Kopf und Körper - den Mutterleib verlassen. Das Menschenjunge hätte sonst auf Grund der Enge des Geburtskanals keine Chance, jemals das Licht der Welt zu erblicken. Damit eine solche hilflose sog. "physiologische Frühgeburt" überleben konnte, musste die Natur eine neue Fortpflanzungsstrategie erfinden: Die Promiskuität, der Sex mit wechselnden Partnern, wurde abgeschafft, das Signal der aktuellen Fruchtbarkeit (dem Schimpansenweibchen wächst zur Zeit des Eisprungs ein dickes rotes Hinterteil) unterdrückt und - die Liebe erfunden, jenes für den Menschen typische, glücklich machende Zusammengehörigkeitsgefühl, das nach körperlicher Nähe und lustvoll erlebbarer sexueller Vereinigung drängt. Sie führte zu einer dauerhaften Paarbindung zwischen Mann und Frau, ohne die in der Frühzeit des Menschseins keine Zeugung (Problem: unbekannter Zeitpunkt des Eisprungs) und in der Folge auch kein Großziehen der immer umfangreicher werdenden Kinderschar (Problem: Einbindung und Belohnung des Mannes) möglich war. Übrigens, auch das Klimakterium der Frau entstand aus Sorge um den Nachwuchs: In der Phase des Jäger- und Sammlerdaseins bedeutete jede Geburt eine große Gefahr für das Leben der Mutter und in der Folge auch für das Überleben der noch fürsorgebedürftigen anderen Kinder ...
Nochmals Precht, Seite 149: "Doch dass sich der Sex zwingend aus der Differenz der Geschlechter herleitet, dass Sex zwingend der Fortpflanzung dient und dass Liebe aus der "Bindung" der Geschlechter aneinander entsprungen sein soll - dies ist falsch." Und Seite 365: "Biologisch betrachtet ist zwar die Liebe der Mütter zu ihren Kindern sinnvoll, nicht aber die Liebe zwischen Mann und Frau - sie steht der Optimierung unserer Gene sogar störend entgegen." Der Leser möge sich jetzt selbst ein Urteil bilden über Prechts "Verständnis" von Liebe ...
Liebe, ein unordentliches Gefühl? Unordnung entsteht, wenn Ordnung verloren geht, hier die Einheit von Liebe, Sexualität, elterlicher Fürsorge und Klimakterium der Frau. Durch den kulturellen Fortschritt ihrer überlebenswichtigen Bedeutung beraubt, werden die aktuell verbliebenen Bruchstücke im Zeitalter zunehmender Individualisierung von immer mehr Glück- und Lustsüchtigen in egoistischer Weise geplündert und ausgeschlachtet, unter Zurücklassung von immer mehr unglücklichen Familien, Partnerschaften und - Kindern, der eigentlichen Zielgruppe der Liebe. Precht bringt dazu seine eigene Erfahrungs- und Gedankenwelt ein, mitunter sehr einfühlsam formuliert, allerdings oftmals mit sehr eigenwilligen Folgerungen, z. B. was die Heilserwartung an die Patchworkfamilie anbetrifft. Und so kommt auf den letzten Seiten doch noch etwas Glaubwürdigkeit ins Buch.
"Back to the roots!?" Zumindest ein "Memento!" wäre angebracht. Aber dazu muss man die "Wurzeln" kennen, und Precht kennt sie offensichtlich nicht! (Autor/in)
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