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Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch)
von Bernhard Schlink Diogenes Verlag 2002-04
Taschenbuch 307 Seiten ISBN: 3257232993


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Beeindruckende Kurzerzählungen
    
Schlink hat wieder zugeschlagen. An den "Vorleser" reicht sein neues Buch zwar nicht heran, doch auch diese Sammlung von 7 Kurzerzählungen beeindruckt. Selbst bei Geschichten, in denen man zunächst denkt, hier wird aber nichts neues erzählt, vermag er mit einem überraschenden Ende zu überzeugen. So jedenfalls in der Story der freiwilligen Beschneidung. Ach wie toll wäre es doch gewesen, hätten wir vor 35 Jahren in der Penne auch mal über solche Stories Interpretationen schreiben müssen. (Autor/in)
Das fassendste was ich seit langem gelesen habe...
    
Nach der Vorleser nun wieder ein gigantisches Buch von Bernhard Schlink. Die einzigste Gefahr des Buches beruht wohl darin, dass man es - einmal angefangen - kaum noch aus der Hand legen kann. Für mich war dieses Buch noch faszinierender als der Vorleser, auf eine ganz neue Art. Jede einzelne Geschichte war einfach genial durchdacht und hatte ihren ganz eigenen Reiz - so unterschiedlich sie auch waren, eins hatten alle gemeinsam: Man muss einfach weiterlesen ...
Bewältigungsliteratur
  
Fader, als erwartet. Schlink in der midlife crises. Autobiographisches, Tagträume literarisch gebannt. Spannend allenfalls für wenige Insider. Für den "normalen" Leser eher zäh, Bewältigungsliteratur eben. Aber mit schönen Momenten, aus dem "Vorleser" kopiert. Schriftsteller ist man eben nur, wenn man es unbedingt ist. Der Beruf unseres Rechtsprofessors stört. Schade um das Talent, das so einseitiger wird, als es müßte.
Leicht geschrieben und doch tiefsinnig - lädt zum Diskutieren ein!
    
Wir haben dieses Buch in dem "deutschen Litteraturcirkel" gelesen, den ich in Schweden an einer Volkshochschule halte, da mein Ziel ist, nicht nur die deutsche Sprache zu vermitteln, sondern auch die deutsche Geschichte und Mentalität begreifbar zu machen. Dazu ist dieser Erzählband sehr gut geeignet!
Alle 7 Erzählungen sind ungefähr 50 Seiten lang, gerade richtig, um sie auf einen Schlag lesen zu können und nicht den Überblick zu verlieren. Die Teilnehmerinnen fanden Berndt Schlinks Sprache sehr ansprechend und die Handlung der Geschichten einfach zu verstehen. Sie nehmen meist eine unerwartete Wendung und lassen immer Fragen offen, denn sie haben alle einen tieferen Hintergrund, über den wir ausgiebig diskutieren konnten.
In jeder Erzählung ist es ein Mann, der sich dem eigentlichen Anspruch den das Leben an ihn stellt, entzieht, er befindet sich auf der Flucht vor der Liebe (Titel!). Der Leser wird selber stark gefühlsmäßig beteiligt. Manche meiner Litteraturcirkel-Teilnehmerinnen entwickelten eine richtige Abneigung gegen einen Protagonisten, die sich dann plötzlich in Mitleid auflöste.
Je länger wir über die Geschichten diskutierten, desto vielschichtiger wurden sie!
Auf keinen Fall wird man ihnen gerecht, wenn man sie nur kurz runterliest und dann sagt "Aha! Und nun zur nächsten!". Sondern man sollte sie vielleicht zwei mal hintereinander lesen.
(Autor/in)
Verschenken oder selber lesen
    
Diese 7 Kurzgeschichten beschreiben atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ganz verschiedene Aspekte der Liebe, wie z.B. Misstrauen, Eifersucht, Enttäuschung, Vater-Sohn-Liebe, Liebe zwischen sehr alten Menschen, Betrug und (wie immer bei Schlink) Schuld. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr gefühlvoll dargestellt. Das Buch lebt von der Beschreibung wie Gefühle durch nonverbale Kommunikation übermittelt werden, also vor allem durch Austausch von Blicken, bestimmten Körperhaltungen oder auch Handlungen. Jede Geschichte ist für sich abgeschlossen, beinhaltet seine eigene Lehre oder Schlussfolgerung und lässt sich flüssig und schnell lesen. Jeder wird eine Geschichte für sich in diesem Buch finden, die ihm besonders zusagt, aber trotzdem den ganzen Band wertschätzen können. Es ist ein ideales Buch zum Verschenken, auch weil es gute deutschsprachige Literatur ist und das von einem mit Preisen ausgezeichneten Autor. (Autor/in)
Sensibel
    
Zu: Der Andere:
Ein Witwer entdeckt, dass seine verstorbene Frau einstmal ein Verhältnis mit einem anderen Mann hatte.
Er lernt seinen Nebenbuhler kennen, erkennt ihn als Hochstabler und Schönredner, verachtet ihn und schmiedet Rachepläne.
Schließlich aber muss er lernen, was seine Frau an dem Anderen fand, warum sie bei ihm glücklich war, obwohl sie ihren Ehemann liebte.
"Der Andere" ist eine höchst sensible und spannende Geschichte.
(Autor/in)
Ideal für den Urlaub
    
"Der Vorleser" hat mich schon fasziniert, so war ich sehr gespannt auf die Kurzgeschichten von Bernhard Schlink.
Jeden Morgen habe ich im Urlaub eine Geschichte vor dem Frühstück gelesen, ideale Länge! Schlink schaffte es mit jeder Geschichte, die bei demselben Thema alle so unterschiedlich sind, mich in den Bann, mich in die Welt des Erzählers zu ziehen. Ich denke, dass sich jeder in den Problemen mit der Liebe, die in den Geschichten detailliert beschrieben werden, wiederfinden kann. Tolles Buch! (Autor/in)
Meisterwerk neuer deutscher Literatur
    
Berhard Schlink schafft es auch in seinem neuen Buch in seiner unnachahmlichen und gefühlvollen Art sieben tiefgründige Geschichten darzustellen. Dabei durchlaufen seine Figuren die Irrungen der Liebe und Sehnsucht in all ihrer Gänze. Grandios kleidet Schlink seine Erzählungen in wichtige Abschnitte der deutschen Vergangenheit, wie zum Beispiel das Leben im Dritten Reich oder Stasi- Vergangenheit und Mauerfall. So begegnen nicht nur die Figuren sich selbst und ihrer Vergangenheit, auch der Leser durchlebt diese nochmals und macht so einen Schritt zur eigenen Vergangenheitsbewältigung. Dieses Meisterstück der neuen deutschen Literatur kann daher nur bestens empfohlen werden. (Autor/in)
Aufrüttelnd, bewegend, anrührend.
    
Die einzelnen Geschichten nehmen unmittelbar gefangen. Schlink vermittelt in seiner einfühlsamen, niemals aufdringlichen aber sehr präzisen Sprache Gefühle und Stimmungen. Ungeheuer beeindruckt und bewegt hat mich die Geschichte "Die Beschneidung" mit ihrem einerseits verblüffenden, andererseits aber auch irgendwie logischen (weil zwangsläufigen) Ausgang. Bernhard Schlink sollte vor allem auch von jungen Lesern gelesen werden - die Zwänge und Zwangsläufigkeiten der Nazizeit werden von ihm eindringlich und einleuchtend, jedoch ohne moralische Besserwisserei, dargestellt.
Gepflegte Langeweile
 
Mal ganz ehrlich- hätte dieses Buch es mit einem anderen Autoren in die Bestsellerlisten geschafft? Wohl kaum.Es sind sieben Geschichten, und spätestens bei der vierten kann man sich denken, wie die fünfte enden wird. Irgendwie ist es immer das Gleiche, eine Liebe ist zu Ende, eine Ehe langweilig geworden und man plänkelt noch ein bißchen vor sich hin, um dann zum ach so originellen Ende zu kommen- Mann verlässt Frau auf einer Usa-Reise, Mann wird von Frau und zwei Geliebten unter Druck gesetzt und benutzt (der Spiess wird umgedreht), Frau bleibt doch noch bei ihrem Mann der über sie bei der Stasi geplaudert hat und betrügt ihn auch, damit sie bleiben kann und (ein deutscher)Mann (natürlich aus Heidelberg) lässt sich beschneiden, um sich seiner amerikanischen, jüdischen Freundin anzunähern (natürlich in New York). Kein Klischee, das nicht durchgenudelt wird- wenn es wenigstens gut wäre. Das alles hat man schon 128 mal woanders gelesen, und auch die Liebesszenen bleiben an der Oberfläche ("sie machten Liebe" - wow, welch sprachliche Meisterleistung). Ich finde es enttäuschend, das Ganze, der einzige Lichtblick ist die Geschichte "Der Andere" finde ich. Schade eigentlich.
ein Erzähler ohne Schaum vorm Mund
  
Er kann einfach und lapidar erzählen und hängt die Erlebnisse tiefer als sie gehen. Das fehlende Pathos ist seine große Stärke. Manchmal bringt er seine Geschichte nicht zu Ende: er hat nur die Ausgangssituation vor Augen und weiß nach dessen schöner Schilderung nicht, was er damit machen soll. Ich finde es bewundernswert, daß er fast immer auf den moralischen Zeigefinger verzichtet, obwohl die Themen so verführerisch wären, ihn zu erheben.
Leider zu elitär
    
Wieder habe ich in Schlink`s Geschichten äußerst interessante Aspekte zum Leben als solches gefunden. Nur diesmal hielt meine Begeisterung sich in Grenzen und wirklich, betroffenmachen konnten diese mich nicht. Es ist eine zu steriele Angelegenheit, nur mit Leuten zu tun zu haben, die Erfolg in geselschaftlichem Sinne haben, usw. Aber da wo Herr Schlink sein Leben fristet, wird er wohl nur mit dieser elitären Gattung zu tun haben. Schade drum, ich bin`s satt.
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